Welt


Corona in der EU 

Zwischen Solidarität und nationalen Interessen am Beispiel der deutsch-französischen Beziehungen

In den vergangenen Wochen hat die Corona-Krise die deutsch-französische Freundschaft auf eine Bewährungsprobe gestellt. Von geschlossenen Grenzen und entrüsteten Franzosen, die sich „stigmatisiert“ fühlen bis hin zur Aufnahme von französischen Covid-19-Patienten in den deutschen Bundesländern - das Zusammenspiel zwischen Deutschland und Frankreich verlief wie eine Achterbahnfahrt. Eine starke deutsch-französische Beziehung könnte dazu beitragen, im Kampf gegen das Corona-Virus ein gemeinsames, europäisches Vorgehen zu entwickeln.

Vor 25 Jahren vereinbarten Deutschland und Frankreich im Schengen-Raum Reiseverkehr ohne Kontrollen - das heißt, niemand musste mehr seinenPass oder Ausweis vorzeigen. Ausgenommen waren hiervon einige wenige Ereignisse – der NATO-Gipfel 2009 in Straßburg sowie die Wochen nach den Terroranschlägen in Frankreich im Jahr 2015. Dies änderte sich mit dem Beschluss der Bundesregierung, den Grenzverkehr zwischen Deutschland und seinen Nachbarländern einzuschränken.

Arsène Schmitt, Vorsitzender der Vereinigung der Grenzgänger aus dem Département Moselle,beklagte „die pauschale Stigmatisierung der Franzosen“1. Auch in der französischen Presse wurden diese Kontrollen nicht gut geheißen. In Deutschland hätte es gegenüber Reisenden aus China keine vergleichbaren Sicherheitsmaßnahmen gegeben, so der allgemeine Konsens.2

Wo ist das „Europa, das seine Bürger besser beschützt“3, das Emmanuel Macron seit seiner Amtseinführung immer wieder beschwor? Einzelne Regierungen haben wieder Grenzkontrollen eingeführt, andere die Grenzen ganz geschlossen. In einigen Ländern ist die Einreise verboten oder die Ausfuhr medizinischer Güter begrenzt.

Sieht so ein koordiniertes europäisches Vorgehen aus? Wohl kaum. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen rief schon voreinigen Wochen dazu auf, medizinische Schutzausrüstung unter den Europäern aufzuteilen und die Grenzen offenzuhalten, so dass produziert und jedem EU-Staat geliefert werden kann, was in dieser Krise notwendig sei. So könnten die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Patienten geschützt und die Verbreitung des Virus eingedämmt werden4.

Was sich auf oberster Ebene noch schwer gestalten lässt, funktioniert auf Landesebene umso besser. So haben bereits Mitte März Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen mehrere Intensivpatienten aus Frankreich aufgenommen um diese intensivmedizinisch zu versorgen. „Für mich zählt nicht der Pass, sondern der Mensch“, sagt Hartmut Bürkle, Leiter der Intensivmedizin des Universitätsklinikums in Freiburg. „Ich bin durch und durch Europäer. Deswegen werden wir unsere französischen Freunde nicht allein lassen und alles tun, Menschenleben zu retten.5

Und auch auf Bundesebene wird nachgezogen. Seit diesem Wochenende holt die Luftwaffe Schwerstkranke aus Norditalien sowie aus Metz und Strassburg zur Behandlung nach Deutschland. Dies sei ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Europa müsse zusammenhalten6, so die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Zeichen der Solidarität sind gut. Zeichen allein werden aber nicht ausreichen, um diese Krise bestmöglich zu meistern. Hierfür bedarf es eines gemeinsamem, europäischen Vorgehens und einem beherzten Voranschreiten Frankreichs und Deutschlands.

Es ist verständlich, dass EU-Staats- und Regierungschef erst einmal alle Außengrenzen schließen. Solche Maßnahmen dienen dazu, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Diese Hindernisse werden nicht gegen die europäischen Mitbürger und ihre Staaten sondern gegen die Krankheit aufgestellt. Sogar zwischen deutschen Ländern gibt es inzwischen Durchreisesperren.

Allerdings geschieht dies nicht auf Grundlage eines einheitlichen, koordinierten Vorgehens. Jedes Land arbeitet an eigenen Lösungen was Exportverbote und Grenzschließungen angeht. Deshalb stellt sich die Frage: Ist Europa imstande, seine Kräfte zu bündeln, um großen Krisen entgegen zu wirken? Ist es nicht an der Zeit, einen geeigneten gemeinsamen Mechanismus zu entwickeln, der bei Gefahr im Verzuge fast automatisch wirksam werden könnte?

Oder lässt sich dieser unsichtbare Feind am besten lokal bekämpfen - gemäß des Grundsatzes der Subsidiarität, dass auf europäischer Ebene nur die Themen geregelt werden sollten, die dort besser geregelt werden können?

Welches Vorgehen auch das vernünftigste sei – unbestritten bleibt die Notwendigkeit, medizinische Ausrüstung zu teilen, um die Erkrankten bestmöglich zu versorgen. Nur so können wir auch weiterhin von einem solidarischen Europa sprechen. (Sophie von Lossau d’Ambrosio, 31.03.2020)

1.https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-frankreich-aergert-sich-ueber-deutsche-grenzkontrolle-16681146.html

2.https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-frankreich-aergert-sich-ueber-deutsche-grenzkontrolle-16681146.html

3.https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/pressekonferenzen/pressekonferenz-von-bundeskanzlerin-merkel-und-frankreichs-praesident-macron-846380

4. https://ec.europa.eu/germany/news/20200316-schutzausruestung-lieferungen_de

5.https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article206780345/Wir-werden-unsere-franzoesischen-Freunde-nicht-alleinlassen.html

 6https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-luftwaffe-bringt-corona-intensivpatienten-von.2932.de.html?drn:news_id=1115094


Das Jahr des Pangolin

Essen Sie Pangolin? Oder sind Sie dem gemeinnützigen Verein "Save Pangolins" beigetreten? Dieses kleine Säugetier, das weitgehend von Schuppen bedeckt ist und deswegen auch Schuppentier genannt wird, ist ein Insektenfresser, der in den tropischen und äquatorialen Regionen Afrikas und Südostasiens lebt. Obwohl der internationale Handel mit den acht bekannten Pangolintierarten wegen der drohenden Ausrottung streng verboten ist, handelt es sich um eines der am stärksten gewilderten Säugetiere der Welt. Chinesische und vietnamesische Metzger müssen mit Fleisch versorgt werden...

Nach Ansicht der Forscher sollte der illegale Handel mit lebenden Schuppentieren und Schuppentierfleisch dauerhaft verboten werden. Ein kleiner Teil der Pangoline wurde laut einem am 26. März in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichten Artikel als Träger vom Virus Covid 19 identifiziert und kann diesen Erreger übertragen, wenn sie für Lebensmittelzwecke vermarktet werden. Wird dies das Tier  vor chinesischen Feinschmeckern schützen? Das ist kaum wahrscheinlich.

Da Coronaviren durch Körperflüssigkeiten, Kot und Fleisch übertragen werden können, ist der Handel mit lebenden Schuppentieren nicht weniger besorgniserregend für die Verbreitung der Krankheit. Die Schuppen von Tausenden von Pangolinen werden jedes Jahr zu medizinischen Zwecken nach China geschmuggelt. Sein Fleisch wird von einigen Teilen der chinesischen und vietnamesischen Bevölkerung als eine Delikatesse angesehen.

Solange die Chinesen und Vietnamesen Pangolin und einige andere seltene Tiere konsumieren, um ihre seltsamen kulinarischen oder medizinischen Sitten zu befriedigen, solange sie ihre Beschwerden mit pulverisiertem Nashorn-Horn oder Elefantenstoßzähnen behandeln, wäre es besser, nicht als Tourist in ihre Länder zu reisen. Es wäre eine Möglichkeit, wie jede andere auch, gefährdete Arten zu schützen.

Es stimmt, dass wir nach der aktuellen Pandemie einen anderen Blick auf China werfen werden. Wir sind jedoch ein wenig überrascht, dass niemand Fragen stellt. Was sagen die Tierfreunde? Sie sind sehr still. Es ist wahr, dass die Umweltschützer plötzlich nicht mehr im Rampenlicht stehen. (JPP)

Vielleicht würde ein einziges Schuppentier, das von einem Chinesen verzehrt wird, ausreichen, um die gesamte Erde zu verseuchen und die Menschheit vom Aussterben zu bedrohen. Wäre dies ein Science-Fiction- oder Polit-Fiction-Drehbuch und wir wären das Ziel eines bakteriologischen Krieges, dann wüssten wir heute zweifelsohne, dass diese Art Krieg nicht teuer ist: Nur das Leben eines Schuppentiers kostet es. Krieg mit Viren  ist billiger als Atomwaffen und effektiver als Terrorismus. Ein Virus kann sogar reichen. Allerdings ist  die Viruskriegsführung unberechenbar. Sie kann auf denjenigen zurückschlagen, der sie sät.

Wie mit einem Zauberstab

Wie bei vielen Dingen, die aus China kommen, nicht alle über die Seidenstraße, sind wir angesichts der Seltsamkeit dieser Pandemie fassungslos. Lassen wir nun  das kleine Tier beiseite, das ihr Träger war. Es gab zunächst, Phase 1, eine Seuche, die in China losging aber praktisch auf eine Stadt in einer Region beschränkt war, und schnell unter Kontrolle gebracht wurde. Die drakonischen Maßnahmen der chinesischen Regierung, die Straßen, die Eindämmung, die Masken, wurden durch Bilder an alle Fernsehgeräte der Welt übertragen. Die Strenge der Kontrollen. Die elektronische Überwachung und alles, was dort durgesetzt wurde, konnte jeder sehen.. Und dann fand vor Ort der superschnelle Bau eines riesigen Krankenhauses statt. Die Materialien, die Maschinen, die Arbeiter waren wie mit einem Zauberstab da. Die chinesischen Krankenschwestern und Ärzte sahen begeistert aus. Alles einwandfrei und modern. Xi Jinping, Staatspräsident auf Lebenszeit, wurde gefilmt, wie er eine Straße entlang ging. Eingesperrte Menschen begrüßten ihn freundlich an den Fenstern. Waren sie im Parteiauftrag oder wohnten sie wirklich da?

"Chinas Kampf gegen die Epidemie zeigt, dass die Kommunistische Partei Chinas bei weitem die politische Partei mit der stärksten Regierungsfähigkeit in der Geschichte der Menschheit ist", äußerte die „Volkszeitung“ (The People's Daily), das zentrale Organ der KPCh. Wenn wir danach von der "Überlegenheit" und "Wirksamkeit" des Kommunismus nicht überzeugt sind, dann heißt es, dass wir blind oder stumpfsinnig sind... Es wurde im Westen oft genug gesagt, dass sich der Autoritarismus – mit einem anderen Wort: Die Diktatur - im Falle einer ernsten Krise lohnt... Es ist wahr. In unserem Land würden manche das loben und dabei die Lager, die chinesischen Gefängnisse, in denen viele Menschen sterben, und die elektronische und visuelle Überwachung der Bevölkerung gerne vergessen. In der liberalen Pariser Tageszeitung "Le Figaro" vom 24. März zitierte die Redakteurin Isabelle Lasserre, den ehemaligen französischen Botschafter in Peking, Michel Duclos, der betonte: "China versucht schamlos, aus seinem 'Sieg gegen das Virus' Kapital zu schlagen, um sein politisches System zu fördern" .

Man müsste ein Schuppentier sein, um das nicht zu glauben. Aber eines Tages werden wir einem Schuppentier ins Ohr flüstern, dass man nie glauben sollte, was ein kommunistisches Regime (oder ein faschistisches Regime) sagt.  Dabei ist es unsererseits rein  spekulativ zu vermuten, das die chinesische Führung ein Doppelspeil treibt. Vielleicht täuschen wir uns. Aber die Geschichte hat uns gezeigt, dass der Kommunismus (wie der Faschismus) die zur Politik gemachte absolute Lüge ist. Deswegen ist es ratsam, misstrauisch zu sein.

Das war die Phase 1., dann kam die Phase 2.

Sehr schnell blühte in China das Leben wieder auf, Handel und Produktion nahmen wieder Fahrt auf. Im Reich der Mitte waren alle glücklich und gehorsam. Die Menschen kehrten zur Arbeit zurück, öffneten Märkte und Läden, während in Frankreich, Italien, Spanien und sogar in den Vereinigten Staaten die Arbeitnehmer "teilweise" arbeitslos oder in ihren Wohnungen eingesperrt waren. Es waren ja keine ausländischen Journalisten mehr vor Ort, um abweichende Kommentare zu sammeln. So erfuhren wir, dass im Vergleich zur enormen demographischen Entwicklung Chinas es nur sehr wenige Todesfälle gab. Peking konnte die Krise in zwei Monaten mit nur 3.500 Toten für 1,4 Milliarden Einwohner eindämmen!

Aber es gab eine kleine arithmetische Panne. Die Graburnen mussten den Familien zurückgegeben werden, weil in Asien der Ahnenkult trotz 70 Jahren Kommunismus heilig ist. Ihre Beibehaltung wäre für die Regierung ein unnötiges Risiko gewesen. Ein indiskreter Journalist zählte 96.000 Menschen, die auf eine Urne warteten. Das erfuhren wir im Westen am letzten Märztag 2020 auf den Ätherwellen des Senders  "France Info". Das war eine Überraschung! Es hätte also doch fast 100.000 Tote gegeben. Vielleicht noch mehr?

Das Pangolin hat sicherlich mehr Verwüstung angerichtet, als behauptet wird, aber es gibt so viele arme Chinesen, die dem Joch des Kommunismus unterworfen sind, dass es vielleicht einen Zählfehler gegeben hat. Niemand wird das Gegenteil behaupten. Ansonsten erwartet sie das Gefängnis oder ein Laogai, das Konzentrationslager für gute Kopfrechner.

Und dann startete die Phase 3. 

Der Startschuss fiel, als im Westen  Europagegner und Systemgegner aus ihren Rattenlöchern hervorkrochen um zu beklagen, dass Europa, insbesondere das mächtige Deutschland, den vom Virus geplagten Italienern nicht geholfen hatte. In dieser Situation schickte China Masken und Atemschutzgeräte nach Italien. Ach, was für eine nette Geste! Und bald darauf, während in unserem Land ein Mangel an Mitteln herrscht und alle Parteien die Verzögerungen der französischen Regierung (aber hätten sie es besser machen können?) und die Desorganisation Europas kritisierten, verkaufte China Masken und Isolierhandschuhe, die es im Überfluss hergestellt und auf Lager hatte. Wie kam es denn, dass sie so viele Masken zur Verfügung hatte, um sie an die Europäer zu verkaufen, die nichts geplant hatten, diese Narren?

Frankreich eröffnete von Ende März bis Ende Mai eine Luftbrücke von Peking nach Paris, wie wir am 28. März erfuhren. Sie wird uns Millionen, vielleicht Milliarden von Masken bringen. Während China Millionen von Euro verdienen wird, indem es diese Produkte so einfach wie es  gestern das chinesische Billigspielzeug verkaufte Der Transport erfolgt durch das russische Antonow-Flugzeug das, wie es heißt, leichter zu beladen ist als der Airbus (sogar der militärische A-4000?).  Ist das nicht eine ausgezeichnete Begründung? Auch die netten Russen helfen. Die Antonow legt einen Zwischenstopp in Moskau ein, das auf der Strecke liegt. Niemand schien davon überrascht zu sein? Im französischen Fernsehen erschien ein merkwürdiger Luftfahrtoffizier mit asiatischem Gesicht, der betonte, dass nicht alle Masken bezahlt werden mussten. Viele Unternehmen, Verbände in China hätten den Franzosen welche geschenkt, meinte er Eine wirklich gute Nachricht!

Bitte keine Verschwörungstheorie

Wir sind keine Adepten von Verschwörungstheorien, und doch...  Es gibt Grund, sich zu wundern. Der Auslöser und Verbreiter der Pandemie mutierte zum Retter ihrer fernen Opfer. Zunächst hatte China die Existenz der Krankheit mehrere Wochen lang verschwiegen. Der kühnste Whistleblower war ein chinesischer Arzt, der  verhaftet wurde.  Er starb bald darauf. Sein Bild auf dem Krankenbett wurde gezeigt. Starb er wegen mangelnder Behandlung? Ist er an dieser Virusinfektion gestorben? Er wird nicht mehr reden.

So war die Welt nicht in der Lage, rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen, und unterschätzte die Schädlichkeit der Krankheit, ihre Ausbreitungsgeschwindigkeit und ihre schrecklichen Nachwirkungen. In schweren Fällen sind es teilweise zerstörten Lungen, wenn man überlebt. Glücklicherweise haben die westlichen Regierungen, zunächst unvorbereitet, ihren gesamten medizinischen Apparat mobil gemacht und von ihren Staatsbürgern drakonische Opfer abverlangt, um das Virus einzudämmen und dann zurückzuweisen.

Donald Trump, der kein Blatt vor den Mund nimmt, aber nicht mehr ernst genommen wird, weil er verrückt ist (oder für verrückt erklärt wird), prangert das "chinesischen Virus" an und macht Peking dafür verantwortlich, dass es das Problem leugnete und sich weigerte, Informationen weiterzugeben. Aber hat er nicht selbst die Schwere dieser Krankheit bestritten? Dennoch, warum dürfte man nicht  "chinesisch" sagen? Es hat alles mit einem chinesischen Schuppentier angefangen, nicht wahr? Es gibt keine amerikanischen, französischen, italienischen oder spanischen Pangolins. In den Jahren 1918-19 schreckte man nicht davor zurück, eine Grippe, die weltweit grassierte und die mehr Menschen tötete als der Erste Weltkrieg, "spanisch" zu nennen. Ganz einfach, weil spanische Zeitungen als erste darüber berichteten. Da Spanien keine kriegführende Macht war, unterlag es nicht der Zensur und konnte dies auch offenbaren. 

Die chinesische Führung versucht, die Rolle des besten Kämpfers gegen Krankheiten zu übernehmen und sich als Retter des Planeten auszugeben, um dabei die Kurzsichtigkeit, Vernachlässigung und Unintelligenz der westlichen Führungen als Kontrast erscheinen zu lassen. Es stimmt schon, dass der Kapitalist immer den Strick liefern wird, mit dem er gehängt wird, sagte Lenin. Mit Hilfe des Pasteur-Instituts baute China in den Jahren 2002-2003 zur Zeit von SARS das erste P4-Hochsicherheitslabor für Epidemiologie, das während der H5N1-Epidemien 2009 und H7N9 2013 sehr effektiv war.  Dank dieser Zusammenarbeit mit Frankreich hat China in 15 Jahren ein System der Überwachung, der Alarmierung, der regelmäßigen Übungen unter Einbeziehung der Bevölkerung, der angepassten Aufnahme in Krankenhäusern und der Massenproduktion von Tests und Schutzausrüstungen eingerichtet. "Präsident Macron hatte alle Elemente; er hatte P4 besucht. Und doch hat er dem Staat nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus ließ er sich davon überzeugen, den Zeitpunkt der Gefangenschaft zu verschieben, wodurch viele Tage verloren gingen", schrieb Henri Mathian, Präsident des Cercle de la Cathédrale in Straßburg an einen Freund. Dieser Beobachter fuhr fort: 

Die bösen Amerikaner fehlen nicht

„In diesem Zusammenhang ist eine Tatsache unbemerkt geblieben. Am 13. März hat das Pentagon gegen den Rat von Trump die größte Demonstration militärischer Macht entlang der russischen Grenze abgesagt. Fünfundzwanzigtausend amerikanische Soldaten mit 13 000 Panzerfahrzeugen der US-Armee (darunter 70-Tonnen-Abrams-Panzer) schlossen sich mit den 9 000 anderen, die bereits in Europa stationiert waren, zusammen, um im April und Mai an der Defender-Europe-20-Übung gegen Russland teilzunehmen. Sechs B-2 Spirit-Bomber aus Missouri und fast 10.000 Mann waren bereits am 9. März auf dem Lajes-Feld auf den Azoren eingetroffen. Und 37.000 alliierte Militärangehörige aus 18 europäischen Ländern waren ebenfalls bereit, unter dem Generalkommando von Tod D. Wolters von der US-Luftwaffe, der selbst an der Spitze der NATO steht, teilzunehmen".

Nun, diesmal haben die Yankee-Krieger ihre Armada nicht eingesetzt. Es gibt aber auch weise Männer im Pentagon. Wladimir Putin, ebenfalls fast  auf Lebenszeit gewählt wie sein chinesischer Kollege, musste seine großen Raketen, die in Kaliningrad, in Reichweite von Warschau, Berlin und anderen westlichen Städten stationiert sind, nicht schwingen. Der Autor schloss: "Unsere amerikanischen Freunde kommen mit Waffen, unsere chinesischen Feinde mit Masken". Das ist wahr. Sie sind so nett, die Chinesen, und wie ekelhaft diese Amerikaner sind! "Le Figaro“ zitiert erneut Botschafter Duclos: "China wird in den Schwellenländern in der Rolle der helfenden Macht erscheinen, was einst die natürliche Rolle der Vereinigten Staaten war“. Das nennt man erfolgreiche Publicity.

Man fragt sich dennoch, warum Präsident Macron so oft die Worte "wir befinden uns im Krieg" verwendet hat. Gegen wen denn? Hat er  "im Krieg gegen das Virus" gemeint? Vielleicht wollte er uns einfach nur in seinem Kampf mobilmachen („Atelier de Strasbourg“, mit "Le Figaro", "France info", Henri Mathian, 30/03/2020).


Der Coronavirus

Frankreich ist neben Italien und Deutschland zu einem der wichtigsten Krankheitsherde des Coronavirus in Europa geworden. Die Exekutive hat mehreMaßnahmen angekündigt, wie z.B. die Absage aller Versammlungen mit mehr als 5.000 Personen in geschlossenen Räumen. Die berühmte Pariser Buchmesse wurde abgesagt, ebenso wie der große internationale Marathon. Die Massenmedien reden nur noch davon. Könnte die Coronavirus-Seuche ein Produkt der Medien sein? Diese Frage stellt die Autorin des folgenden Beitrags zu Recht.

Sicherlich nicht, aber sie blähen die Seuche auf, nach dem den Massenmedien liebsten Prinzip, dass schlechte Nachrichten die besten Nachrichten sind, um die Neugier und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu schüren. Epidemien und Kataklysmen sind in der veröffentlichten Meinung beliebt. Hinzu kommt die Sorge der Behörden, nicht verleugnet zu werden, weil sie nicht genug gewarnt hätten, falls die Katastrophe eintritt.

Am 3. März waren 69% der Franzosen „besorgt“ und 80%“wuschen sich häufiger die Hände“. Ach, die gute Nachricht! Wir sind dabei, uns gute Gewohnheiten anzueignen, außer dass der berühmte "French Kiss" vielleicht am Ende ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Frankreich 212 offiziell registrierte Fälle von Coronaviren und 4 Todesfälle. In Italien zählte man zu diesem Zeitpunkt allerdings 52 Tote.. Bei genauerem Hinsehen waren die ersten beidenverstorbenen in Frankreich jedoch ein älterer chinesischer Tourist von 81 Jahren, der die Krankheit aus seinem Ursprungsland zurückgebracht hatte, ein 60jähriger Lehrer und die beiden anderen waren eine 89jährige Frau und ein 92-jähriger Mann.  Zerbrechliche Menschen auf jeden Fall. Allerding war die Zahl der Kranken in Frankreich am 7. März  auf 949 und diejenige der Toten auf 16 gestiegen. Zu diesem Zeitpunk hatte die Seuche weltweit 100.000 Kontaminationen mit mehr als 3.500 Todesfällen in mindestens 95 Ländern und Gebieten überschritten.

 Waschen Sie also Ihre Hände, küssen Sie weniger und schütteln Sie weniger Hände. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad sollte man gehen, anstatt Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen zu benutzen. Die französische Eisenbahnen, die sich für die Streiks der CGT entschädigen müssen, werden sich beschweren/. Aber jeder ist des Herr seines  Schicksals.Das gilt auch für Europa als ganzes: Wir müssen lernen, uns von China loszulösen und eigene Wege zu gehen. Mehrere Seuchen sind aus China gekommen und andere werden noch von dort kommen. Mit ihrem Übergewicht durchdringt China zu sehr die anderen Kontinente. Das gilt nicht nur für die Gesundheit sondern auch für den Welthandel.  (AtS - 08.03.2020)


 Eine Seuche in Zeiten der "Fake news"

"Coronavirus: 1.600 Mitarbeiter sollen zu Hause bleiben." - "Über 1.400 Infektionen in Europa." - "Wer schützt uns vor dem Coronavirus?" - Der Coronavirus ist derzeit in aller Munde und durchzieht die Medien wie eine - nun ja, Seuche. Der aus China stammende Virus kann in einer Lungenkrankheit enden und hat bereits mehrere Todesopfer auf dem Gewissen. Laut dem Gesundheitsministerium der Bundesrepublik sind weltweit 83.000 Menschen infiziert (Stand 01.03.2020).

Doch wie gefährlich ist der Virus? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Infizierte daran sterben? Das kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Laut dem Robert Koch-Institut liegt der Anteil der Todesfälle bei nachgewiesenen Infektionen bei etwa zwei Prozent. Hierbei sind allerdings die Infizierten, die keine oder nur leichte Symptome aufweisen und deshalb in keiner Statistik auftauchen, nicht berücksichtigt. Somit ist der tatsächliche Anteil der Todesfälle vermutlich geringer. Zudem waren es bisher vor allem Patienten im fortgeschrittenem Alter und/oder mit chronischen Grunderkrankungen, die an dem Virus gestorben sind, häufig bereits älter.

Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung und Ansteckung ist nicht unbegründet. In China sind 2870 Menschen dem Virus zum Opfer gefallen; in Italien gibt esbereits 29 Todesfälle zu beklagen (Stand: 01.03.2020). Nichtsdestotrotz ist das Ausmaß des Virus - verglichen mit derTodeszifferder Grippewelle in den Jahren 2017 und 2018 - (noch) relativ harmlos: Allein in Deutschland starben 25.000 Menschen. Das macht die Grippewelle zur tödlichste Influenza der vergangenen 30 Jahre. Nichtsdestotrotz war der mediale Aufruhr im Vergleich zur Berichterstattung über den Coronaviruseher verhalten. Es sind vor allem die sogenannten „fake news“, also falsche Informationen und Meldungen, die für Panik sorgen und sich schneller verbreiten als derVirus selbst.

Die Verbreiter dieser Falschmeldungen schreiben häufig Artikel im Namen renommierter Zeitungen oder Nachrichtensendungen und verbreiten diese über die soziale Medien. Dies führt dazu, dass heutzutage eine eigenständige Recherche notwendiger ist denn je.

Das gemeinnützige Recherchezentrum "Correctiv" (www.Correctiv.Org)  beispielsweise bietet eine hilfreiche Stütze, um sich im Dschungel der Informationsflut zurechtzufinden. Weitere Faktenchecks bieten unter anderem der "Faktenfuchs" des Bayrischen Rundfunks, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dieFrankfurter Allgemeine Zeitung.

Neben einer sorgfältigen Recherche ist es ratsam, auch die Hygiene-Vorschriften des Gesundheitsministeriums zu befolgen. Das bedeutet jedoch nicht, sich komplett abzuschotten und im eigenen Haus zu verschanzen. Schließlich gehen wir auch bei Bedrohungen wie einem Terroranschlag oder einer Atomreaktor-Katastrophe unserem Alltag nach. Stattdessen ist es klug, rational und angemessen mit dem Virus umzugehen - zumindest, solange nicht von einer Epidemie gesprochen werden kann. Oder, wie Bundeskanzlerin Merkel es ausdrückt: Entscheiden wir uns für einen Umgang mit "Maß und Mitte". (Sophie von Lossau d‘Ambrosio- Mitglied des Vorstands von Paneuropa Frankreich - 1er mars 2020)


Pandemien

Der Auftritt des Coronavirus im Februar 2020 lieferte den Gegnern der Globalisierung neue Argumente: Sie wollen, ausgehend von einer oft falschen Schlussfolgerung aus den von ihnen aufgezeigten Problemen, die innereuropäischen Grenzen schließen, also den „Schengen-Raum“ abschaffen. Es muss jedoch das Gegenteil getan werden. Die aktuelle Gesundheitsgefahr, die nach SARS [1] (2003) und der Vogel- oder Schweinegrippe, welche ihren Ursprung in Mexiko hat, erneut von China ausgeht, ist eine Lektion für Europa. Sie muss uns dazu ermutigen, unsere Kräfte in Europa zu bündeln, um unsere Unabhängigkeit und unsere pharmazeutische und industrielle Selbstversorgung wiederherzustellen. Europa und insbesondere Deutschland hatten sich zu sehr auf den chinesischen Markt verlassen, der durch die Gesundheitsmaßnahmen deutlich eingebrochen ist. Wir sind uns unserer wirtschaftlichen Verwundbarkeit bewusst geworden. 

Nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass der internationale Verkehr, insbesondere der Luftverkehr, ein wesentlicher Übermittler von Epidemien ist. Das ist nicht neu. Die Cholera verbreitete sich im 19. Jahrhundert mit der Umstellung der Segel- zur Dampfschifffahrt und der Entwicklung der Eisenbahn um ein Vielfaches. Heute breiten sich Epidemien, die überwiegend aus dem Fernen Osten und zuweilen aus Afrika (AIDS und Ebola) kommen, noch schneller aus. Zunächst auf Asien (Indien, China und Indonesien) beschränkt, entwickelten sie sich im 19. Jahrhundert weiter, wurden zu Pandemien und erreichten den Nahen Osten, Europa und Amerika. Die bessere Informationslage aufgrund der Globalisierung ermöglicht uns heute jedoch schnellere und umfassendere Anti-Infektionsmaßnahmen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen können dennoch beträchtlich sein, wie dies auch beim aktuellen Coronavirus der Fall ist, das seinen Ursprung in Wuhan, China hatte und sich in diesem großen Land und darüber hinaus rasant verbreitete. Das Coronavirus hat in China sehr schnell mehr Opfer gefordert als die SARS-Epidemie, welche in den Jahren 2002/2003 349 Opfer im Land und 774 weltweit verursachte. Dies könnte die Produktion von Mobiltelefonen und anderen elektronischen Geräten, welche hauptsächlich aus China stammen, einschränken und vor allem für einige Medikamente, die in Europa verwendet und zu 80% im Land Xi Jing Pings hergestellt werden, gravierende Folgen haben.

                                                                                                                                                             *    *

 Dies war in ähnlicher Form schon bei der Grippe von 1918 der Fall, der sogenannten „Spanischen Grippe“, die wahrscheinlich in China (dort als „Ursprungs-Virus“) und in den Vereinigten Staaten (dort als genetische Mutation) ihren Ursprung hatte. Diese Pandemie eines hochvirulenten und ansteckenden Virusstamms (H1N1) verursachte nach Angaben des Pasteur-Instituts 50 Millionen Todesfälle, nach einigen kürzlich durchgeführten Neubewertungen sogar bis zu 100 Millionen, d.h. 2,5 bis 5 % der Weltbevölkerung. Viel mehr also als während des Ersten Weltkriegs. Sie wurde „spanisch“ genannt, weil Spanien – nicht am Ersten Weltkrieg beteiligt – das einzige Land war, das uneingeschränkt Informationen über die Epidemie veröffentlichte, welche durch ein Virus und nicht durch ein Bakterium (im Gegensatz zur Pest, verursacht durch das Bakterium Yersinia pestis), ausgelöst wurde.

 Hinsichtlich der Zahl der Opfer wäre die Spanische Grippe die tödlichste Pandemie der Geschichte in einer so kurzen Zeitspanne, übertrifft sie doch die rund 34 Millionen Todesfälle (ungewisse Schätzung) der schwarzen Pest Mitte des 14. Jahrhunderts. Nach Angaben des Historikers Niall Johnson waren die größten Verluste in Indien (18,5 Millionen Todesfälle, d.h. 6 % der Bevölkerung), China (schätzungsweise 4 bis 9,5 Millionen Todesfälle, d.h. 0,8 bis 2 % der Bevölkerung) und Europa (2,3 Millionen Todesfälle, d.h. 0,5 % der Bevölkerung, davon 250.000 in Frankreich) zu verzeichnen. Die hauptsächlich beulenbildende schwarze Pest befiel Asien, den Nahen Osten, das Maghreb, Europa und möglicherweise auch Afrika südlich der Sahara.

 Cholera ist eine Krankheit, die sich auf den Menschen beschränkt. Sie äußert sich durch starken Durchfall, welcher zu einer raschen Dehydrierung führt, die unbehandelt oft tödlich endet. Die Krankheit wird durch die Aufnahme des Bakteriums Vibrio cholerae über den Verdauungstrakt übertragen. Frankreich und Großbritannien waren Anfang 1832 von der zweiten Cholera-Pandemie betroffen, nach Russland (1828), Polen, Deutschland und Ungarn (1831). 1831 wurden daraufhin sanitärpolizeiliche Maßnahmen mit Kontrollen an den Grenzen ergriffen. Im Jahr 1854 wurde Frankreich auch von der dritten Cholera-Pandemie heimgesucht, bei der 143.000 Menschen im ganzen Land starben.

 Das Ganges-Delta gilt aufgrund seiner hohen Bevölkerungsdichte und einer auf der Verwendung von menschlichem Dünger (Fäkaliengefahr) basierenden Agrarwirtschaft als ursprünglicher Ausbruchsort der Cholera. Die Cholera bleibt dauerhaft endemisch, d.h. es kommt zu einem instabilen Gleichgewicht zwischen Infektionen (sporadische Fälle) und der Immunität der Bevölkerung. Kleine Kinder sind am häufigsten betroffen.

 Das Akquirierte Immun-Defizienz-Syndrom, besser bekannt unter dem Akronym AIDS, stellt eine Folge von Symptomen dar, die durch die Zerstörung von Zellen des Immunsystems durch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) entstehen. AIDS ist das letzte Stadium der HIV-Infektion, in dem die Immunsuppression bereits stark ausgeprägt ist. Krankheiten, die sich bei fehlender Immunabwehr entwickeln, sind in der Regel tödlich. Es wurden vier Arten der HIV-Übertragung beobachtet:

 1. durch Sexualkontakte, dem häufigsten Ansteckungsmittel,

 2. durch Blut,

 3. durch den injizierenden Drogenkonsum und in Krankenhäusern (bis Ende der 1980er Jahre bei den Empfängern von Transfusionen, insbesondere bei Bluterkranken),

 4. von der Mutter auf das Kind, dort entweder in den letzten Wochen der Schwangerschaft in der Gebärmutter, bei der Geburt oder während des Stillens.

 Seit 2002 wird AIDS als globale Pandemie betrachtet. Schätzungen des UNAIDS-Berichts von 2007 beziffern die Zahl der HIV-positiven Menschen weltweit auf 33,2 Millionen und die Zahl der AIDS-Todesfälle im Jahr 2007 auf 2,1 Millionen. Damit steigt die geschätzte Zahl der Todesfälle seit dem Ausbruch der Krankheit im Jahr 1981 auf über 25 Millionen. Heute scheint die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht und sich stabilisiert zu haben. Die Zahl der Infizierten hat jedoch aufgrund des Bevölkerungswachstums und des Zugangs zur Dreifachtherapie (die den Tod hinauszögert) zugenommen.

Das Ebola-Virus verursacht beim Menschen und anderen Primaten häufig hämorrhagisches Fieber. Es war Ursache für viele historische Epidemien, die durch ihr Ausmaß und ihre Schwere auffielen. Die zwischenmenschliche Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Das Virus hat ein für Filoviren charakteristisches fadenförmiges Aussehen. Das Ebola-Virus ist das einzige Virus der Spezies Ebola-Zaire-Virus. Es durchdringt alle Organe und Gewebe mit Ausnahme der Knochen und der Muskulatur. Es bildet zunächst kleine Blutgerinnsel, die durch disseminierte Gerinnung in den Blutgefäßen diffundieren. Die Gerinnsel kleben dann an den Wänden der Blutgefäße und bilden eine „Pflasterung“. Mit fortschreitender Infektion bilden sich weitere Gerinnsel, die die Kapillaren blockieren. Sie werden sehr zahlreich und blockieren letztendlich den Blutfluss zu den verschiedenen Organen des Körpers. Teile des Gehirns, der Leber, der Nieren, der Lunge, der Hoden, der Haut und des Darms leiden dann unter einem Sauerstoffmangel. Eine Besonderheit des Ebola-Virus ist die Brutalität, mit der es das Bindegewebe angreift.

 Wie AIDS, das ursprünglich von Affen übertragen wurde, ist auch Ebola afrikanischen Ursprungs. Es könnte durch Flughunde übertragen werden. Nach einer Studie von K.Kupferschmidt aus dem Jahre 2017 [2] hat allerdings „von 2006 bis 2017 niemand das Virus jemals aus Fledermäusen isoliert, und niemand weiß, wie Ebola von Fledermäusen auf andere Säugetiere, einschließlich des Menschen, übertragen werden kann oder warum dieser tödliche Sprung zeitlich und geographisch so unvorhersehbar ist.“. Ein bisher nicht identifizierter Zwischenwirt könnte beteiligt sein. Mehr als 2.000 Menschen starben zwischen August 2018 und August 2019 in der Demokratischen Republik Kongo. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Blut, Sekreten und/oder anderen Körperflüssigkeiten infizierter lebender oder toter Menschen übertragen. Die WHO erinnert daran, dass die Inkubationszeit bis zu 21 Tage betragen und sowohl Sperma als auch Muttermilch das Virus beinhalten kann, welches auch nach der klinischen Genesung noch mehrere Monate lang im Körper verbleiben kann. Bisher sind keine Fälle einer sexuellen Übertragung des Ebola-Virus bekannt.

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 Natürlich war die schlechte oder nicht vorhandene Hygiene in einigen Ländern, besonders in den vergangenen Jahrhunderten, eine Hauptursache für Epidemien. Die Menschen warfen ihre Exkremente auf die Straße und tranken aus Flüssen. Nicht so malerisch wie sein Name war zum Beispiel „Der große Gestank“, auf Englisch The Great Stink oder The Big Stink, der die Geschichte Londons im Sommer 1858 prägte. Es begann an der Themse, die wegen der Abwasserströme und der Hitze schrecklich stank. Der Gestank verärgerte einen großen Teil der Londoner Bevölkerung, hinderte sogar die Abgeordneten daran, sich zu versammeln und führte zum Bau großer Abwasserkanäle sowie zu einer neuen Politik, die als „sanitäre Revolution“ bezeichnet wird.

 Riesige Müll- und Abfalldeponien, von denen wir nicht wissen, was wir damit anfangen sollen, vervielfachen sich am Rande der modernen Megastädte, und die Meere der Erde tragen Müllansammlungen. Es ist sogar von einem "sechsten Kontinent" schwimmender Kunststoffe im Pazifik die Rede. Dies kann nicht ohne Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschheit bleiben. Freilich, mikrobielle Krankheiten wurden durch Impfstoffe weitgehend ausgemerzt, aber Epidemien sind heute hauptsächlich viraler Art. Allerdings entsteht in den entwickelten Ländern und bei Personen mit günstigen genetischen Voraussetzungen eine neue Art von Pandemie, obwohl hier nicht von einer Kontamination als Folge gesprochen werden kann. Die neuen Krankheiten werde durch ein „modernes“ Verbraucherverhalten, die Exposition gegenüber Umweltverschmutzung, Strahlung etc. begünstigt. Dazu gehören im Besonderen Diabetes, Herz- und Gefäßkrankheiten sowie Krebs. (Dokumentation des Ateliers de Srasbourg von Sophie von Stralendorff, Paneuropa Frankreich-Vorstandsmitglied, übersetzt und überarbeitet, 3. März 2020)

[1] Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom.

[2] “Hunting for Ebola among the bats of the Congo” ; News der Zeitschrift „Science“ vom 1. Juni 2017 ; Africa Biology Health Plants & Animals ; DOI: 10.1126/science.aan6907.


„Eine Verteidigung für Europa, für Europa und durch Europa“ 

Ein Gespräch mit dem General- und Strategielehrer Vincent Desportes

Für Vincent Desportes  ist es dringend und zwingend erforderlich, dass die europäischen Länder ihre strategische Autonomie wiedererlangen und sich nicht mehr auf den Scheinschutz der NATO verlassen, um ihre Verteidigung zu gewährleisten. Um seine Werte und Interessen zu schützen, muss der alte Kontinent eine Verteidigung Europas, für Europa und für Europa aufbauen.

Wie haben Sie die Erklärung von Präsident Emmanuel empfunden, als er sagte, dass die NATO  sich in einem "Zustand des Hirntodes" befindet ? 

Vincent Desportes. Wenn der Präsident diese Formel anwendet, hat er faktisch Recht: Die NATO-Maschine "funktioniert" mit ihrem Hauptquartier, ihren Übungen, ihren unaufhörlichen Sitzungen, ihrem herrlich schimmernden Gebäude à einer Milliarde Euro.... aber nicht mit ihrem Generalmanagement, ihrem Gehirn! Das Unternehmen befindet sich in einer äußerst ernsten Führungskrise, aber auch in einer Krise der Solidarität. Die NATO ist nicht mehr in der Lage, ihre Mitglieder zu regulieren, wie der extravagante Fall der Türkei zeigt: Dieser seltsame Verbündete führt militärische Operationen in Syrien in den Interessengebieten seiner so angeblichen Verbündeten gegen die Verbündeten seiner Verbündeten durch, ohne die eigentlichen Verbündeten zu warnen oder ein Minimum an Koordination zu gewährleisten, ohne zu zögern, russische Ausrüstung, darunter die neuesten Flugabwehrsysteme S400 zu erwerben! Es gibt keine zentrale Regulierung mehr, es gibt einfach keinen "gesunden Menschenverstand"!

Aber das grundlegende Problem ist nicht das: Es ist der wachsende und unvermeidliche Rückzug der Vereinigten Staaten, des Landes, das die Glaubwürdigkeit und Rückversicherung des Ganzen gewährleistet. So wie die NATO heute strukturiert ist, ist diese Organisation nur ein Papiertiger ohne die Amerikaner, die aus völlig rationalen Gründen immer weniger an Europa interessiert sind. Präsident Donald Trump selbst hämmerte es: "Amerika darf nicht in die NATO investieren, dieses Bündnis ist obsolet". Die amerikanische „Wende zum Pazifik“ kommt von weit her, sie ist unvermeidlich, Teil der Evolution der Welt. Erinnern wir uns an Präsident Obama, der rief: "Ich bin ein Pazifik-Präsident"! Die Entkopplung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa ist eine der wenigen Sicherheiten, die wir über die Entwicklung der Welt haben können, ob wir es nun bedauern oder nicht.

Weniger Führung, weniger Solidarität: Die NATO-Mitglieder fühlen sich nicht mehr füreinander verantwortlich. Die Türkei kauft also russische S-400-Raketen und schwächt damit direkt das otanische System; was den amerikanischen Präsidenten betrifft, so schlägt er eindeutig vor, dass er Washington nicht für Vilnius, Podgorica - die Hauptstadt Montenegros -... oder Paris natürlich opfern wird! Charles de Gaulle hat das vor mehr als einem halben Jahrhundert verstanden! Artikel 5, der wichtigste Teil des Bündnisses, besagt jedoch, dass sich jeder Mitgliedsstaat verpflichtet, jedes Mitglied der Allianz zu verteidigen, das angegriffen werden könnte. Die Glaubwürdigkeit der NATO basiert auf der des amerikanischen Schutzes.... was heute nur noch eine Illusion ist! Stellen wir uns nicht vor, dass, sobald die Trump-Seite einmal gedreht ist, der Fluss wird sich umkehren: Was wir erleben ist ein Grundtrend. Die Entkopplung der Vereinigten Staaten/Europa ist unvermeidlich: Trump ist kein Zufall der Geschichte. Weiterhin zu glauben, dass die NATO auf unbestimmte Zeit das harte Fundament der Verteidigung bleiben wird, beeutet nichts anderes als  eine Fünfjahresstrategie zu entwickeln und die großen Trends bei der Neugestaltung der Welt zu ignorieren.

Wäre Europa daher anfällig für externe Bedrohungen?

Präsident Emmanuel Macron macht dies zu Recht deutlich: "Glaubt nicht an den amerikanischen Regenschirm, er wird sich nicht öffnen, wenn ihr ihn braucht". Das Problem der europäischen Länder - glücklicherweise ist Frankreich eine Ausnahme – besteht darin, dass ein so großer Teil von ihnen seine Verteidigung den Vereinigten Staaten anvertrauthat und dass sie psychologisch und finanziell nicht mehr in der Lage sind, ihren eigenen Schutz zu gewährleisten.

Es ist daher dringend geboten, dass sie ihre Autonomie in politischen, fähigkeitsbezogenen und operativen Fragen wiedererlangen. Also natürlich in militärischen Angelegenheiten. Nur ihre Autonomie wird es ihnen ermöglichen, sich nicht mehr gezwungen zu fühlen, sich den strategischen Interessen der USA zu unterwerfen, die oft sehr gegen die unseren gerichtet sind, und die Streitigkeiten der Amerikaner zu übernehmen, die auch nicht unbedingt unsere sind. Dies zeigt sich im Falle Russlands, wo amerikanische Interessen unseren langfristigen Interessen entgegenstehen, denn, ob wir wollen oder nicht, die Zukunft Europas ist viel „eurasischer“ als „euroatlantisch". Die Allianz ist zu einem Protektorat geworden, in dem das große Protektorat unter Androhung ds RÜckzugs einseitig seine Handlungsgesetze und -vorschriften durchsetzt; es wird erst dann wieder zu einem Bündnis unter Gleiche werden, wenn es seine strategische Autonomie wiedererlangt hat. Präsident Macron hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass die NATO inoffiziell zu einem kaufmännischen  Bündnis geworden ist, wo der Kauf von amerikanischer Ausrüstung (wie z.B. das sehr teure Flugzeug F35!) gegen das Versprechen des leider sehr illusorischen Schutzes vorgeschrieben ist....

Da es sein Schicksal nicht mit einer Macht verknüpfen kann, deren strategische Interessen weit von seinen eigenen entfernt sind, muss Europa erkennen, dass die NATO nicht mehr ihre All-Risk-Versicherung ist, und schnell reagieren: Es hat nur wenige Jahre Zeit, um ein eigenes Verteidigungssystem aufzubauen. Andernfalls wird es sehr hilflos sein, wenn das letzte Schiff der US Navy Antwerpen verlässt, um den letzten amerikanischen Soldaten nach Baltimore zurückzubringen.

Wir brauchen also eine europäische Armee?

Diese Formulierung ist nicht die beste, aber sie hat das Verdienst, dass sie klar ist. Sie ist auch bei einer großen Mehrheit der Franzosen beliebt. Was jetzt sehr schnell gebraucht wird, ist eine Verteidigung Europas, für Europa und für Europa. Und wir werden sie nicht mit den alten Methoden bauen, die in den letzten Jahrzehnten nur unbedeutede Ergebnisse erzielt haben. Nein. Wir müssen proaktiv handeln, den guten Willen zusammenbringen, diejenigen, die sowohl die Illusion der amerikanischen Rückversicherung als auch die Notwendigkeit, sehr schnell zu handeln, verstanden haben. Wir müssen die wenigen Nationen zusammenbringen, die in der Lage sein werden, die Souveränität im gemeinsamen Interesse aufzugeben. Wir müssen eine Verteidigungsgruppe "Eurogruppe" zusammenstellen, wie es für den Euro geschehen ist, mit Beschlüssen, die nicht einstimmig, sondern mit qualifizierter Mehrheit gefasst werden. Realismus erfordert daher, dass wir von einem Kern souveräner Nationen ausgehen, die zu strategischen Kompromissen und der Erosion ihrer Autonomie im Namen eines akzeptierten höheren Interesses fähig sind und über den nationalen Egoismus hinausgehen.

Europa muss in der Lage sein, seinen Beitrag zur Welt zu leisten und an der Aufrechterhaltung der großen Gleichgewichte mitzuwirken, sei es die "Ausgleichskraft", die die Welt dringend braucht, und die wir selbst dringend brauchen, wenn wir weiterhin so leben wollen, wie wir wollen. Ob es uns gefällt oder nicht, unsere Welt, die am 26. Juni 1945 in San Francisco geboren wurde, ist heute im Sterben begriffen. Unser Planet befindet sich jedoch in Aufruhr, er befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der ufgrund der Schwächung von Organisationen immer weniger reguliert wird.

Unser Planet braucht Europa?

Wir bewegen uns auf eine neue Bipolarität zwischen China und den Vereinigten Staaten zu, von denen wir die ersten Opfer sein werden, wenn wir stimmlos haben. Und das wird nur möglich sein, wenn Europa über eine autonome militärische Macht verfügt. Denn es ist sicherlich schade, aber die Stimme der Nationen trägt nur nach dem Kaliber ihrer Waffen! Wenn Frankreich mehr zählt als die anderen Länder, dann gerade weil es eine Armee hat, die diesen Namen verdient. Um unsere Werte zu schützen und zu verteidigen, muss diese europäische Verteidigung schnelle gebaut werden.

Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel beurteilt Emmanuels Macrons Meinung als Makron zu radikal. Das Gleiche gilt für Polen, das sich auf seinen amerikanischen Verbündeten ausruht verlässt.

Es ist verständlich, dass Polen Angst vor Russland hat. Es ist der Ansicht, dass zq, solange die europäische Verteidigung nicht aufgebaut ist, die NATO braucht.... und das verzögert auch den europäischen Prozess! Aber das transatlantische Bündnis bleibt eine kurzfristige Vision; es ist Taktik, ja sogar Blindheit.

Ich glaube absolut nicht, dass Donald Trump Washington opfern wird, um Warschau im Falle eines Angriffs aus Russland zu retten. Die Polen glauben, dass sie von den Vereinigten Staaten verteidigt werden. Aber sie machen den gleichen Fehler 1939, als sie glaubten, dass Frankreich kommen würde, um sie zu verteidigen, wenn sie von Nazi-Deutschland angegriffen würden.

Was Angela Merkel betrifft – die  in ihrer Jugend im Osten nur von den Vereinigten Staaten und von langen motorisierten Fahrten auf der Route 66 träumte -, so sollten wir sie von dem deutschen Präsidenten unterscheiden, der selbst den "amerikanischen nationalen Egoismus" während der jüngsten Gedenkfeiern zum Fall der Mauer anprangerte. In Deutschland gibt es unterschiedliche Stimmen. Aber es ist wahr, dass die deutsche Armee im Moment noch tief Otanisch ist.... und dass ihre Generaloffiziere, wie diejenigen anderer europäischer Länder, keine Karriere mehr machen könnten, wenn die NATO plötzlich verschwinden würde. Es gibt nicht nur Größe in politischen Positionen...

Sie erwähnten die Idee, Deutschland unter das Dach der französischen Nuklearverteidigung zu bringen.

Die Frage der Atomwaffe ist offensichtlich kompliziert. Die Entscheidung über ihren Einsatz kann nur von einer legitimen politischen Instanz getroffen werden. Atomschutz kann nur dann "geteilt" werden, wenn es eine legitime politische Instanz gibt, die über das Überleben oder das Verschwinden von Nationen entscheidet, die ihre Autorität anerkannt haben. Davon sind wir weit entfernt. Ich weiß noch nicht, wie dieser Fall gelöst werden soll, aber die Frage wird sich stellen, weil Frankreich die einzige Nation ist, die in der Europäischen Union Atomwaffen besitzt (unter dem Gesichtspunkt des zukünftigen Ausscheidens des Vereinigten Königreichs).

Angesichts dieser Verteidigung Europas haben einige französische Staatsbürger den Eindruck,  dass das Schicksal Frankreichs nicht mehr in ihren Händen ist.

Die Illusion wäre zu glauben, dass wir immer noch unser eigenes Schicksal beherrschen. Unser Sicherheitsschicksal ist in der Tat bereits in den Händen von Donald Trump. Wir können unsere Operationen - im Sahel oder anderswo - nicht ohne seine Zustimmung und die Unterstützung seiner Armeen durchführen. A ber das wird nicht ewig dauern. Es wird keine Euro-Verteidigungsgruppe geben, wenn es keine Akzeptanz für die Aufgabe bestimmter Aspekte der nationalen Souveränität gibt. Es wird notwendig sein, dass Sie zuzugeben, dass einige Entscheidungen nicht mehr auf nationaler Ebene, sondern mit der qualifizierten Mehrheit einer Gruppe von Nationen getroffen werden. Die ist die Voraussetgzung  für unser Überleben als Nation.

Wir haben keine Wahl: Entweder akzeptieren wir diese Tatsache oder wir verschwinden. Nationen wie Frankreich und Deutschland sind der Konfrontation mit Großmächten wie China und den Vereinigten Staaten nicht gewachsen. Wenn wir Widerstand leisten und unsere Werte bewahren wollen, müssen wir vereint bleiben. Die überwiegende Mehrheit der Franzosen ist zu Recht für den Aufbau einer europäischen Armee, die die nationalen Identitäten respektiert.

Wenn sie ihre Zivilisation schätzen, müssen die Europäer so schnell wie möglich ihre eigenen Verteidigungsmittel erwerben: realistisch, entschlossen, aber Schritt für Schritt, indem sie aufhören, von einer alten Ordnung zu träumen, die dauerhaft verschwunden ist. Es spielt keine Rolle, wie der Name lautet. Was Europa braucht, ist eine Verteidigung Europas für Europa mit einer autonomen und integrierten militärischen Kapazität, die imstande ist, seine Interessen und seine Fähigkeit zu verteidigen, nach seinen eigenen Wünschen zu leben.


Ein historisches Treffen, eine Wende in den Ost-West-Beziehungen in Europa ?

Eine Leistung von Emmanuel Macron : Kremlchef Putin und der ukrainische Präsident Selenskyj erstmals persönlich begegnet. Nach jahrelangem Stillstand in einem Konflikt, der seit 2013 13 000 Todesopfer gekostet hat, vereinbaren sie im Elysée-Palast in Paris eine Waffenruhe bis Ende des Jahres 2019.

Beim Pariser Ukraine-Gipfel sind weitere Schritte für eine Lösung des Konflikts in der Ostukraine beschlossen worden. Vereinbart wurde unter anderem eine vollständige Umsetzung der , wie aus der Gipfelerklärung vom späten Montagabend hervorgeht.

Damit gab es im Ringen um einen Frieden in der umkämpften Ostukraine nach jahrelangem Stillstand konkrete Fortschritte. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin und dessen ukrainischer Kollege Wolodymyr Selenskyj berieten in wechselnden Runden rund acht Stunden lang im Élyséepalast. Ein solches Treffen hatte es zuletzt vor gut drei Jahren in Berlin gegeben.

Alle Gefangenen sollen bis Ende des Jahres ausgetauscht werden

Vorgesehen ist demnach auch ein Gefangenenaustausch nach der Formel "alle gegen alle" bis Ende des Jahres. Dabei geht es um einen Austausch von 250 Gefangenen aus Kiew gegen 100 aus Luhansk und Donezk. Eine konkrete Vereinbarung dazu gab es aber nicht, sondern lediglich die Absichtserklärung, mit Hilfe der Kontaktgruppe in der Region und des Roten Kreuzes den Austausch umzusetzen.

Innerhalb von 30 Tagen sollen auch neue Übergangspunkte für die Bevölkerung an der Frontlinie eingerichtet werden – auf der Grundlage von humanitären Kriterien. Neben der Waffenruhe soll auch ein Plan für die Minenräumung umgesetzt werden. Zudem soll es an drei weiteren Punkten eine Entmilitarisierung geben.

Putin trägt die Ergebnisse im vollen Umfang mit

Selenskyj zeigte sich nach Abschluss des Gipfels allerdings unzufrieden: "Meine Kollegen sagten mir, dass dies ein sehr gutes Ergebnis für das erste Treffen ist. Aber ehrlich gesagt ist mir das zu wenig", sagte der 41-Jährige. "Zum Waffenstillstand: Ich weiß ehrlich gesagt bisher nicht, wie die Situation kontrolliert werden kann." Er hoffe jedoch, dass es dieses Mal gelinge. Seit Kriegsausbruch 2014 seien 20 Vereinbarungen gebrochen worden.

Wladimir Putin bezeichnete die Ergebnisse als Fortschritt für die Menschen im Kriegsgebiet Ostukraine. Wichtig sei eine Verbesserung des Lebens der Menschen, sagte Putin am späten Montagabend in Paris. Der Kremlchef lobte bei einer Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Kollegen Selenskyj, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sich für eine Lösung des Konflikts einsetzten. Er trage die Gipfelerklärung in vollem Umfang mit, betonte Putin.

Der Kremlchef forderte aber gleichzeitig die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten noch einmal ausdrücklich zum Dialog auf. Kein Konflikt lasse sich ohne direkte Gespräche lösen. Das lehnen beide Seiten seit Jahren ab. In Russland wurde auch besonders hervorgehoben, dass die Gipfelerklärung festlege, dass der Sonderstatus für die umkämpften Regionen Luhansk und Donezk in der ukrainischen Verfassung verankert werden müsse.

Kanzlerin Merkel zeig sich „sehr zufrieden“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich nach dem Gipfel "sehr zufrieden" mit den Ergebnissen. "Wir haben heute die Zeit des Stillstands überwunden", sagte sie am späten Montagabend nach dem Treffen mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen ukrainischem Kollege Wolodymyr Selenskyj. Es seien "realistische Dinge" vereinbart worden. "Wir werden dann natürlich auf diesem Weg auch weitermachen."

Macron sagte: "Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um den politischen Mut und die Entschlossenheit des Präsidenten der Ukraine seit seiner Wahl zu würdigen, Frieden in den Konflikt im Osten seines Landes zu bringen." Es sei das Ziel, innerhalb der nächsten vier Monate einen neuen Gipfel im "Normandie-Format" abzuhalten, sagte Macron zudem.

Das Treffen wurde als wichtiges Signal der Annäherung gesehen

Die Zusammenkunft von Selenskyj und Putin in der französischen Hauptstadt wurde als ein wichtiges Signal der Annäherung gesehen. Beide Staatschefs hatten zuvor nur miteinander telefoniert, um den für ganz Europa gefährlichen Konflikt zu entschärfen.

In den ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk stehen sich ukrainische Regierungstruppen und prorussische Separatisten gegenüber. Rund 13.000 Menschen sind nach UN-Schätzung bisher ums Leben gekommen. Die Menschen in den betroffenen Regionen Luhansk und Donezk sehnen sich nach einem Ende des Krieges.

Der im April ins höchste Staatsamt gewählte Selenskyj steht innenpolitisch unter Druck. Direkt vor dem Präsidentensitz in Kiew hielten sich in der Nacht zum Montag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt mehrere Hundert Menschen auf, die gegen mögliche Zugeständnisse an Russland demonstrierten. Ein Friedensplan, der 2015 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ausgehandelt wurde, lag bisher weitgehend auf Eis.

Der Gipfel wird auch als "Normandie-Treffen" bezeichnet, weil es die erste Zusammenkunft dieser Art im Juni 2014 in der Normandie gab - diese Region liegt nordwestlich von Paris. Gastgeber Macron strebt einen umfassenden Dialog mit Moskau über Sicherheit und Stabilität in Europa an. Um zu Fortschritten mit Moskau zu kommen, muss nach französischer Auffassung auch der Ukraine-Konflikt gelöst werden. Macrons Annäherung an Moskau wird in mittel- und osteuropäischen Ländern mitunter jedoch misstrauisch verfolgt. (Verwendete Quellen: Nachrichtenagenturen afp und dpa, t-online.de)