Kultur/Wissen


DER HINTERHÄLTIGE GAFA-KRIEG

Wie das BIG HACKING funktionierte *

Auf Englisch « The Great Hack »…  So nennt Brittany Kaiser  die riesige Datensammlung auf "Facebook" zum Zweck politischer Werbung, die das Entwicklungsprogramm „Cambridge Analytica“ (CA) jahrelang angewendet hat. Frau Kaiser war drei Jahre lang als Führungskraft in dieser inzwischen geschlossenen Kommunikationsagentur tätig, die eine politische Propagandafirma versteckte. Sie denunzierte deren Methoden der Massenbeeinflussung in einem 500 Seiten starken Buch, das von HarperCollins in New York unter dem Titel "Cambridge Analytica" veröffentlicht wurde. Die Autorin enthüllt "die Unterseite eines globalen Skandals".  CA hat viele der wichtigsten Wahlen der Welt beeinflusst, vom Brexit bis zur Wahl von Donald Trump, sowie die Bildung politischer Bewegungen. Viele Beobachter vermuten, dass die französischen Gelbwesten, die auf einem Gefühl sozialen Unbehagens aufgepfropft waren, aber die Absicht hatten, die Regierung in Frankreich zu stürzen oder sogar den französischen Staat zu zerstören, ebenfalls ein Produkt dieser Desinformation gewesen sind.

Dieses globale Unternehmen der Einflussnahme und Desinformation wurde von 68 Länder, sowie von politischen Parteien wie die amerikanischen Republikaner um Hilfe gebeten. 1982 in Houston geboren und Absolventin mehrerer amerikanischer und britischer Universitäten, beschuldigt Brittany Kaiser vor allem"Facebook", ihre Kunden durch die Erfassung ihrer persönlichen Daten zu betrügen. Als erklärte Verbraucher- und Meinungsberatungsfirma, schöpfte  CA die Daten von "Facebook"-Nutzern, insgesamt 3 Milliarden weltweit, ab. Aber wir können nicht sicher sein, dass Mark Zuckerbergs amerikanischer Digitalgigant nicht von sich aus Daten verkauft oder verschenkt hat. Indem die Algorithmen die Daten sortierten und klassifizierten, reichte es dann aus, zu entscheiden, welche Botschaften den "Nutzern" entsprechend ihrem Geschmack, ihren Vorlieben, ihren Zielen und ihrem Temperament übermittelt werden sollten.

Zuallererst versuchte CA, die Abonnenten dieser großen Kommunikationsmaschinen mit "beängstigenden" oder "beruhigenden" Nachrichten zu manövrieren, aber das war nicht erfolgreich. Dann griff sie auf die Angst zurück. Auf diese Weise können Sie Millionen von Internetnutzern dazu bringen, dieses oderjenes Produkt zu kaufen, für diesen oder jenen Kandidaten zu stimmen und sich dieser sozialen oder gesellschaftlichen Bewegung anzuschließen. Ohne CA hätte der Brexit höchstwahrscheinlich nicht stattgefunden und Trump wäre nicht gewählt worden. Die Kommunikationsagentur kaufte die Daten von 88 Millionen amerikanischen "Facebookern", um die Wähler der drei Staaten, die den Ausschlag für den derzeitigen US-Präsidenten gaben, "umzudrehen": Michigan, Wisconsin und Pennsylvania. Das brachte 77.000 weitere Stimmen zu seinen Gunsten, und der Deal war unter Dach und Fach.

Die Software, mit der die Meinungen von Millionen von "Facebook"-Abonnenten geformt wurden, wurde "psychometrische Digitaltechnik" genannt, eine komplizierte und prätentiöse Formel, die eine einfache Realität verbirgt. Die Idee war, die quantitativ messbaren Verhaltens- und Gefühlskonstanten der "Facebook"-Nutzer zu nutzen, um ihnen zu helfen, die „richtigen Entscheidungen“ zu treffen. Am Tag nach der Abstimmung für den Brexit erkannte Brittany Kaiser, wozu sie beigetragen hatte und sie bereute es. "Ich konnte nicht einschlafen, wenn ich an all die Dinge dachte, zu denen sie mich gezwungen hatten", sagt sie. Sie sah, dass die Methode auf eine Weise funktionierte, die sie sich nie vorgestellt hatte. Ihr Erfinder, der kanadische Ingenieur Christopher Wylie, hatte ein ähnliches Bedauern und beschloss, der britischen Zeitung "The Guardian" alles darüber zu erzählen. Frau Kaiser vertraute sich Netflix an, sie enthüllte schließlich ihre Identität und stellte die illegalen Aktivitäten von Facebook, Cambridge Analytica und anderen ähnlichen Unternehmen vor dem britischen Parlament bloß.

Sie behauptet, dass die milliardenschwere Familie Mercer, Vater und Tochter, Eigentümer der ehemaligen Firma "Cambridge Analytica", die Donald Trump zur Wahl brachte, heute noch über die Daten von 250 Millionen amerikanischen Staatsbürgern verfügt und dass es keine Beweise dafür gibt, dass sie gelöscht wurden. Es ist schade, dass sich die Enthüllungen der Brittany Kaiser eher für die amerikanische demokratische Linke und gegen die Konservativen richteten, aber es ist durchaus möglich, dass andere Interessengruppen, die oft von ausländischen Mächten ausgehen, insbesondere aux China oder Russland, die die digitalen Ströme kontrollieren, in die entgegengesetzte Richtung arbeiten. "Ängste sind viral. Die Rhetorik verbreitet sich schnell (...), diese Modelle der manipulativen Rhetorik provozieren künstlich Spannungen, Widerstände", sagt Frau Kaiser. Es geht nicht nur um die Politik, sondern auch um die Unternehmen, die Ihre genetischen Daten auf Ihren Wunsch hin analysieren und oft verkaufen, ganz zu schweigen von der Beratung für alle, die keinen Zugang zu Banken haben, und solche Berater ansprechen, um  ihre Finanzen zu verwalten.

Letzten Endes ist es besser, sein Privatleben den Gafas nicht anzuvertrauen, den vier Riesen, die die heutige Welt beherrschen: "Google", "Apple", "Facebook" und "Amazon". Aber lässt sich das vermeiden? (JPP)

* "Paris-Match" vom 23. bis 29. Januar. "Manipulation der Wahlen? Das ist jetzt die Norm", Interview der Brittany Kaiser von Anne-Laure Le Gall und Catherine Schwaab


Wien singt Beethoven

Im Jahr 2020 feiern wir den 250. Geburtstag des unsterblichen Beethovens .

Die österreichische Hauptstadt konnte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Der Adoptiv-Wiener verbrachte dort 35 Jahre seines Lebens und schrieb seine berühmtesten Werke, darunter die Symphonie Nr. 9, La pastorale, und seine einzige Oper, Fidelio, die die Stadt und ihre Bewohner so sehr geprägt haben. Als er 1827 starb, nahm mehr als jeder zehnte Wiener an seiner Beerdigung teil.

Anlässlich seines Geburtstages ehrt Wien den Künstler mit mehr als hundert Veranstaltungen. Das sehr abwechslungsreiche Programm besteht aus Ausstellungen, Konzerten und Opern, die durch einen Besuch des dem Künstler gewidmeten Museums, das Ende 2017 eröffnet wurde, oder durch die Entdeckung des Beethovenfrieses bereichert werden. Ein 1902 von Klimt gemaltes monumentales Werk, das den Komponisten feiert, das  im Palais der Sezession ausgestellt ist. (Wien.info)


Kulturwechsel in Frankreich:  Die jähe Vermehrung des Zweirads 

Werden sich die Franzosen in Zukunft mit dem Fahrrad wie die Dänen und die Holländer fortbewegen? Dies könnte das Ergebnis des Eisenbahn- und U-Bahn-Streiks ihrer letzten kommunistischen Gewerkschaft CGT gegen die Regierung  Macron um die Jahreswende 2019-2020 sein. Gemessen an 37 Pariser Standorten hat der Fahrradverkehr zwischen dem 28. November und dem 12. Dezember 2019 um 133 % zugenommen. Während monströse Staus die Straßen und Wege versperrten, tauchten in Paris zu Tausenden Radfahrer auf, darunter eine große Anzahl von Rollern. Alle diese zweirädrigen Transporte schlüpften zwischen die Wagen.

Die Streikbewegung brachte die Gewohnheiten der Franzosen durcheinander, die davor nach dem Auto mit nur einem Insassen süchtig waren, und es wird vermutet, dass die Hälfte derer, die in dieser winterlichen Streikperiode das Fahrrad wieder entdeckt haben, es beibehalten werden, besonders wenn Frühling und Sommer wieder da sind. Hinzu kommen natürlich die Elektrofahrräder, die sowohl als Einkauf- als auch als Mietfahrzeug benutzt wurden. Zu ihnen werden die Kunden und Nutzer noch treuer sein. Für sie besteht kein Genehmigung-, Treibstoff-, Versicherungs- oder Steuerzwang. Sie sind bequemer zu parken als ein Auto und umweltfreundlich, während die Stadtbewohner zunehmend unter tödlicher Luftverschmutzung leiden. Diese Elektrofahrräder sind offensichtlich noch nicht fertig. Sie sind relativ gefährlich, weil nicht jeder, der sie fährt, ihre Beschleunigung kontrollieren kann und ihre Batterien nur tausendmal wieder aufgeladen werden können. Dann müssen Sie einen neuen für 600 € kaufen. Aber in der Stadt und auf dem Land ist es immer billiger und weniger sperrig als ein Auto.

Die einzigen Menschen, die sich darüber beschweren, sind Fußgänger. Denn die berühmten Fußgängerzonen, die in den Großstädten Frankreichs immer häufiger, oft gegen den Willen der Autohersteller, angelegt werden, sind zwar für Vierradfahrer, aber nicht für Zweiradfahrer verboten. "Ein Mensch auf dem Fahrrad verhält sich gegenüber den Schwächsten, in diesem Fall den Fußgängern, wie ein Autofahrer", klagt ein militanter Fußgänger gegenüber einer Zeitung. Das heißt, auf mißbräuchliche und autoritäre Weise, sogar beleidigend. Diese Bemerkung ist wirklich übertrieben. Französische Autofahrer respektieren im Allgemeinen Fußgänger und lassen sie überqueren, sobald sie ihren Wunsch dazu zeigen. Fügen wir hinzu, dass viele Fußgänger mit dem Fahrrad fahren könnten. Das würde ihnen Zeit sparen.

Fahrräder sind, wenn sie gute Bremsen haben, respektvoll und sicher. Allerdings sind die Radfahrer oft gezwungen, auf dem Bürgersteig zu fahren, was in Frankreich, im Gegensatz zu Deutschland, nicht bestraft wird, aber es ist eine Notwendigkeit. Es gibt immer noch zu viele Autos und zu wenig Fahrradwege. Die Gefahr ist eher der Elektroroller, instabiler als das Fahrrad, aber oft schneller als dieses. Er erschien unerwartet. Er schleicht sich überall ein. Das muss geregelt, vielleicht sogar begrenzt werden.  Wir hören nicht den Roller, wenn er sich nähert und können nicht sicher sein, dass er bremsen kann. In jedem Fall ist seine Verwendung jetzt auf Gehwegen verboten. Aber zwischen den Autos setzen die Rollerfahrer ihr Leben aufs Spiel.

Einer, der sich im Grab umdrehen muss, ist Karl Marx. Nach dem Scheitern seiner Wirtschaftstheorie in allen Ländern, in denen sie angewendet wurde, besteht die Hauptwirkung des letzten von ihm ersehnten Klassenkampfes darin, den Einsatz von Transportmaschinen zu fördern, die es zum Zeitpunkt der Abfassung des "Kommunistischen Manifests" noch nicht gab. Diese kollaterale Auswirkung hat nicht nur positive Seiten. Der Eisenbahnerstreik hat den Transport mit dem Auto und vor allem mit dem Bus verstärkt und gleichzeitig dem Handel und dem Tourismus großen Schaden zugefügt. Einer der großen Gewinner des Streiks in Frankreich ist das deutsche Busnetz Flixbus, das seine Fahrpreise erhöht und seine Routen auf den Straßen Frankreichs vervielfacht hat. Die nicht umweltschädlichen Züge und U-Bahnen werden von der CGT- Gewerkschaft blockiert und der hochgradig umweltschädliche Benzin- und Dieselmotor nimmt nun die Spitze der Personenfernverkehrs ein.

Eines Tages wird das Elektro- oder Wasserstoffauto den Brennstoffmotor überflüssig machen. Aber viele Menschen werden inzwischen mit verschmutzten Lungen sterben. (Max Gross - 28.12.2019)


Sprachwandel: Deutsche Vokabeln mutieren!

Pantoffeln oder Latschen? Bolzen oder pöhlen? Die deutsche Sprache ist regional und dialektal vielfältig – sie entwickelt sich fortdauernd. Wörter bleiben auf der Strecke.

Regionale Begriffe wie Klops oder Pantoffel haben sich einer Studie zufolge in den vergangenen Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum ausgebreitet. Wie drei Forscher der Universitäten Bern, Zürich und Salzburg herausgefunden haben, sind gleichzeitig sehr lokale Bezeichnungen wie Beefsteak, Klößchen oder Kloß für das angebratene Stück Hackfleisch kaum noch verbreitet. Klops statt Kloβ?

Auch die Bezeichnung "Viertel elf" für 10.15 Uhr hat im Vergleich zu den 1970er Jahren etwas an Boden verloren. "Viertel nach zehn" breitet sich demnach leicht von Westen nach Osten aus, steht in den neuen Bundesländern, in Franken und Baden-Württemberg aber noch hinter "Viertel elf" zurück. In der Kürze liegt die Würze, kann man dort sagen.

Sprachliche Veränderungen in Bayern und Schleswig-Holstein gering 

In Teilen Bayerns sowie in Schleswig-Holstein sind laut der im Fachmagazin "PLOS One" veröffentlichten Studie die sprachlichen Veränderungen verhältnismäßig gering. Vor allem in Ostdeutschland sind dagegen für einige Begriffe klare Verschiebungen aufgefallen. Insgesamt zeigt sich, dass lokale Begriffe für bestimmte Dinge weniger Verwendung finden und durch regionale, etwas weiter verbreitete Varianten ausgetauscht werden.

"Ein Grund ist, dass die Leute geografisch gesehen mobiler sind als früher. Wenn man sich verstehen lassen will, passt man sich an", erklärt Adrian Leemann von der Universität Bern. Der Trend weg von lokalen Dialekten hin zum Hochdeutsch habe zudem eine soziale Komponente. "Der Hannoversche Standard hat mehr Prestige", sagt Leemann. Weil Dialekte in Bayern sowie auch in Österreich und der Schweiz einen höheren Stellenwert hätten, verändere sich hier die Sprache nicht so schnell wie anderswo.

Besonders deutlich zeigt sich das bei dem Begriff "der Schlucken", der der Studie zufolge in Teilen Ostdeutschlands zunehmend durch das Wort Schluckauf ersetzt wird. Der Trend hatte sich bereits in einer vorherigen Studie abgezeichnet. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich für die Wörter Klops und Bulette, die in Ostdeutschland langsam ihre Synonyme Klößchen, Kloß oder Beefsteak verdrängen. Im Westen von Deutschland gibt es bei diesem Beispiel wenig Veränderung, da neben dem Begriff Frikadelle lokale Wörter keine größere Rolle spielen. Gleiches gilt für Fleischküchle in Baden-Württemberg, Fleischpflanzerl in Teilen Bayerns und Laiberl beziehungsweise Faschierte Laibchen in Österreich.

Nahezu verschwunden sind auch einige Synonyme für Fußball spielen. Auch wenn Jürgen Klopp als Trainer von Borussia Dortmund immer wieder mit einer "Pöhler"-Kappe an der Seitenlinie stand, ist das ursprünglich in Westfalen bekannte Wort pöhlen kaum mehr verbreitet, ähnlich wie bäbbeln im Sächsischen. Bolzen und eben Fußball spielen haben sich durchgesetzt, in Baden-Württemberg und Österreich wird zudem gekickt, in der Schweiz vor allem getschuttet (offensichtlich vom Englischen : to shoot abgeleitet – die Franzosen sagen :“shooter“).

Sprachliche Landkarten im Wandel

Grundlage für die Studie sind Antworten aus einem Online-Quiz, dass bei "Spiegel Online" und dem Onlineportal der Schweizer Zeitung "Tagesanzeiger" online gestellt wurde. Mehr als 770.000 Nutzer nahmen am Quiz teil und stellten danach auch ihre Metadaten zur Verfügung. Sie wurden dort nach ihren Ausdrücken für insgesamt 24 Begriffe gefragt. Auf Grundlage dieser Daten entstanden dann Landkarten, auf denen man die Verbreitung der Dialekt-Wörter ablesen kann. Zudem wurden die Ergebnisse mit einer früheren Studie aus den 1970er Jahren verglichen.

Der damit erkennbare Wandel weg von lokalen hin zu eher regionalen Wort-Varianten sei auch in anderen Sprachen zu erkennen, sagt Forscher Leemann. "Auch in England, den Niederlanden oder Frankreich findet man den Verlust sprachlicher Diversität", meint Leemann. Grammatikalische Besonderheiten, etwa die genaue Position eines Wortes im gesprochenen Satz, seien dabei meist stabiler als die Verwendung bestimmter Wörter, wenn auch immer häufiger das Verb im Nebensatz in der Umgangssprache mitten im Satz wie im Englischen oder Französischen statt am Ende steht. (verwendete Quellen: t-online.de, dpa, mehrere Zeitungen)


Der Rückgang der Intelligenz in Europa: Mythos oder Realität?

Die quantitative Messung der Intelligenz ist nicht neu. Der intellektuelle Quotient, oder IQ, der durch einen psychometrischen Test bestimmt wird, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Identifizierung und Förderung schwacher Schüler geschaffen und war das Ziel zahlreicher methodischer und theoretischer Kritiken, weil es nicht wirklich möglich ist, Intelligenz zu definieren, die ohnehin irgendwo zwischen geistiger Insuffizienz und dem hohen Potential der Begabten liegt. 

Auf jeden Fall versuchen die Verleumder der europäischen und amerikanischen Zivilisation heute, die Vorstellung zu untermauern, dass die Staatsbürger der EU und der USA immer weniger klug sind, dass ihr Konsum- und Fernsehleben sie zu Eseln macht und dass ihre nach unten gleichschaltende Demokratie sie verdummt, so dass die westliche Zivilisation dadurch dem Zusammenbruch entgegensteuert. Die heutige Jugend steht besonders im Visier. Es wird behauptet, dass die Benützung vom Internet und Smartphone sie von ihren Neuronen amputiert. 

Das ist absolut nicht der Eindruck, den wir von ihr haben, aber das ist, was die Gerontokraten von ihr behaupten. Vielmehr zerstören die Ansteckung durch postmarxistische Ideologien und durch mittelalterliche Aberglauben und ihr Kontingent an Unsinn (Kreationismus, Determinismus, Kult von Wundern, Fetischen und Reliquien, Religionsfehden, usw.) die europäische Intelligenz.  Aberglaube wird aus anderen Kontinenten und Jahrhunderten importiert und findet bei geistig und sozial Schwachen einen fruchtbaren Boden. 

Die Wahrheit ist, dass die jungen Menschen von heute es nicht ertragen können, ignorant zu sein. Anstatt sich mit überflüssigem Wissen vollstopfen zu lassen, ergreifen sie die Initiative und konsultieren bei Fragen sofort ihr Handy oder ihren PC. Sie kennen alle Internetverknüpfungen, um Informationen oder Ergebnisse zu erhalten. Sie sind über fast alles informiert und wissen mehr als die Vor-Internet-Generationen, die an ihren alten Gewohnheiten festhalten. Deshalb wollen sie wie erwachsene Bürger behandelt werden.


Die Mängel der Kollektiven Intelligenz

Er war allein. Er war erst 24 Jahre alt. Es war im Jahr 1975.  Er hörte jungen Menschen in seinem Alter zu, wie sie über Computer sprachen, über tonnenschwere Monster, die in Sekunden oder Minuten Berechnungen anstellen konnten, die von Mathematikerteams Jahre erfordert hätten. Als Teenager hatte er etwas darüber gelesen und war sehr beeindruckt gewesen. Er dachte, wenn solche Geräte jedem Einzelnen zur Verfügung stünden  dann wäre die Welt anders. Niemand hatte vor ihm daran gedacht.

Steve Wozniak nahm damit die Ära der digitalen Kommunikation und des mit einer Tastatur verbundenen Laptops vorweg. Noch am selben Tag, allein an seinem Schreibtisch sitzend, begann er, die Schaltkreise eines kleinen Taschenrechners zu zeichnen und verließ Tag und Nacht nie diesen Ort, bis seine Idee realisiert wurde. Nach drei Monaten funktionierte das Gerät. Wenn man auf die Tastatur tippte erschienen auf dem Bildschirm Buchstaben. Eine neue Ära der Menschheit begann, die dritte industrielle Revolution.

SteveWozniak gründete mit seinem Freund Steve Job die Apple Computer Company, die heute eine der mächtigsten Industriegruppen der Welt ist. Und das alles, weil er allein gearbeitet hatte, wie die großen Erfinder der Vergangenheit, von Archimedes bis Galileo und Newton. Er hatte keine Zeit mit Debatten und Konferenzen, Meetings und Abstimmungen verschwendet, die ihn abgelenkt hätten.

Das Bienenstockmodell

Heutzutage ist kollektive Arbeit Mode. Es herrscht das System des Bienenstocks oder der Ameisenfarm. Es ist wahr, dass nicht jede Ameise und jede Biene intelligent ist, sondern dass ihre kollektive Organisation, die im Wesentlichen auf olfaktorischer Kommunikation oder auf Gestik basiert, unendlich viel intelligenter ist als die einzelne Ameise und Biene. Das hat es diesen Arten ermöglicht, sich weltweit enorm zu verbreiten, besonders bez. den Ameisen, die zahlreicher als die Menschen selbst sind. Aber führt das Menschenkollektiv, das von Marxisten-Leninisten und Maoisten, aber auch von Faschisten und Nazis so hochgeschätzt war wie bei diesen Insekten zum Erfolg?

Die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat eher das Gegenteil gezeigt. Natürlich kann eine Fußball- oder Basketballmannschaft, ein Militärkommando oder eine Militärbrigade, eine Feuerwehr, eine Gruppe von Verkäufern in einem Supermarkt nur kollektiv arbeiten, aber wenn es um intellektuelle oder wissenschaftliche Leistung, Innovation oder sogar Kunst und Literatur geht, haben die Alleingänger bessere Chancen, ihr Ziel zu erreichen. Das Kollektiv schafft das, was Adam Grant und seine Kollegen von der Wharton Business School in Pennsylvania als "collaborative overload" bezeichnen.

Nach unserer eigenen Erfahrung zerfasern das Kollektivmanagement und die Abnutzung durch ständige Gruppenpalaver im Namen der  Basisdemokratie die Hochschulen. Darüber hinaus neigen Gruppen- und Teamarbeit dazu, Kreative und Erfinder zu marginalisieren. Diejenigen, die nicht aktiv an der Gruppendynamik teilnehmen, werden für "intravertiert" erklärt, was fast "unsozial" bedeutet, während diejenigen, die im Rampenlicht stehen, die "extravertierten", positiv bewertet werden. Dabei sind die meisten von ihnen Kommunikatoren und keine Schöpfer. Eine gelernte Juristin, die einst in der Wall-Street arbeitete, die Dozentin Susan Cain, hat dazu ein Buch mit dem Titel „ Die Macht der Introvertierten in einer zu lauten Welt" geschrieben.  

Das Buch zeigt, dass es in unseren Gesellschaften so viele Extravertierte wie Intravertierte gibt und dass die einen nicht schlauer als die anderen sind, aber dass unsere Gesellschaft letztere benachteiligt, die an den Rand gedrängt werden. Sie hat einen Test durchgeführt, der zeigt, dass die Menschen den eloquentesten - oft den Schwätzer - als klüger, sympathischer und sogar.... schöner empfinden. Die amerikanischen Forscher Cameron Anderson und Gavin J. Kilduff haben ihrerseits gezeigt, dass der Scharlatan, der mit großen Reden prahlt, automatisch als kompetenter gilt. Schon in der Schule wird der Schüler, der oft das Wort ergreift, eher gut bewertet. Er profitiert vom "Halo-Effekt", „Halo“ im Sinne von „Nimbus“.

Je grösser die Gruppe desto weniger effektiv

Aber der Glaube, dass Gruppenarbeit effektiver ist, ist hartnäckig. Es geht mindestens auf das Jahr 1948 zurück, als der amerikanische Werbeexperte Alex Osborn sein Buch "Your creative power" veröffentlichte. Er erklärte, dass die Vorschläge der Mitglieder einer Gruppe die Kreativität der Gruppe gegenseitig befruchten und so die Qualität der endgültigen Schlussfolgerungen erhöhen. Es genüge daher, eine Gruppe von gut ausgewählten Personen zu bilden, die ermutigt werden, sich frei und tabulos auszudrücken. Dies ist die Grundlage der auch aus den Vereinigten Staaten eingeführten Theorie des "Brainstorming". Leider funktioniert diese Theorie nicht sehr oft. Es hat sich sogar gezeigt, dass die Effektivität der Arbeit und die Qualität der Ideen abnehmen, je gröβer die Gruppe ist. Dies wurde von Toms Chamorro-Premuzic, einem Psychologen am University College London, der sich auf organisatorische Fragen spezialisiert hat, bestätigt. Er untersuchte die Arbeitsprozesse von rund 800 kollektiven Arbeitsgruppen und schloss daraus, dass "Einzelpersonen sehr wahrscheinlich originellere Ideen haben, wenn sie nicht mit anderen Personen kommunizieren".

Die Gruppe erzeugt Konformität, indem sie den Instinkt zur Anpassung an die Gruppe stimuliert. Man spricht von Kollektivdruck. Ist also der Trend zur Gruppe in unserer demokratischen Gesellschaft ein Symptom des drohenden Intelligenzverlusts? (JPP, mit der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 2.11.19, Autoren Kerstin Bund, Marcus Rohwetter)   


Ist der Mensch kein denkendes Wesen?

Wir wissen es alle: Nicht die Größe des Hirns, sondern die Anzahl seiner inneren Verknüpfungen bestimmt die Klugheit. Dennoch müsste es uns beunruhigen, dass mit seinen 1350 cm3 unser Hirn kleiner als dasjenige des Neandertalers ist, das 1500 cm3 maß. Die Relation Hirn-Köpermasse ist außerdem ungünstiger geworden, da die Menschen von heute grösser geworden sind, während ihr Hirn kleiner wurde. Das kann dem Menschen geschadet haben. Auf jeden Fall argumentiert der französische Vordenker der Paläoanthropologie, Pascal Picq, dass die menschliche Evolution kein ständiger Fortschritt sei, obwohl  seine Kollegen aus der Fortschrittsidee ein Dogma gemacht hatten. So steuern wir auf eine angekündigte Katastrophe zu.  Seitdem hat sich die Vorstellung, dass wir uns in Europa zurückentwickeln, verbreitet. Pierre Theilard de Chardin (1881-1955), ein Jesuitenpriester und Paläontologe, hatte versucht, die darwinistische Evolutionstheorie mit der katholischen Lehre der Schöpfung in Einklang zu bringen, indem er bekräftigte, dass der Mensch immer göttlicher wurde. Wenn man auf das 20. Jahrhundert zurückblickt, hat man eher den Eindruck, dass der Mensch immer teuflischer geworden ist.

Der flache Geist

Eine neue Theorie, die diese Philosophie der Geistesschwäche des Menschen unterstützt, kursiert in wissenschaftlichen Kreisen: Die "Theorie des flachen Geistes", die im Buch "The Mind is Flat: The Illusion of Mental Depth and The Improvised Mind" Ende 2018 dargestellt worden ist.  Der Autor, Nick Chater, von der University of Warwick, glaubt, dass er das menschliche Wissen revolutioniert hat, indem er behauptet, dass unsere Intelligenz nur eine Illusion ist, die wir aus Selbstgefälligkeit pflegen, um uns auf einen Sockel zu stellen. Vor allem bekämpft es den Mythos der Tiefe unseres Geistes. Tatsächlich würde es nichts hinter unseren Gedanken geben, keine kohärenten Erinnerungen, kein Unterbewusstsein, kein Ich, kein Über-Ich, die den Psychoanalytikern lieb und teuer waren, keine Komplexe und Hemmungen, natürlich auch keine Seele, nichts als unmittelbare Reaktionen, die an die jeweilige Situation angepasst sind. Macht uns das den einfachsten Tieren gleich?

Die Vorstellung der "Platitüde", der Flachheit unseres Geistes wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft gut aufgenommen. Sie entspricht ja dem Zeitgeist und das beunruhigt uns. Insbesondere Petter Johansson, ein Forscher für experimentelle Psychologie an der Universität Lund in Schweden, sah sich in seinen Beobachtungen bestätigt. Die prominente französische Zeitschrift "Science et Vie" (Nr. 1223 vom August 2019 S. 60 bis S. 75) widmete mehrere Artikel den Vorstellungen Chaters und zitierte viele Wissenschaftler, die von ihm begeistert sind. Wir zitieren: "Unsere so reiche Wahrnehmung? < Eine Fata Morgana>, schwingt Ronald Rensink, Professor für visuelle Kognition an der University of British Columbia, Kanada. Unsere unbegrenzte Vorstellungskraft? <Eine falsche Konstruktion>, sagt Stephen Kosslyn, emeritierter Professor für Kognitionspsychologie an der Harvard University. Unser Wissen, unsere Vernunft, unser freier Wille? <Viele davon Annäherungen, Interpretationen und Geschichten, die wir uns selbst erzählen>, sagt Albert Moukheiber, Doktor der Kognitiven Neurowissenschaften (Universität Paris 13)“.

 In einem Interview mit dem Magazin hatte Nick Chater die Kühnheit zu sagen: "Im Moment hat keine Studie, meines Wissens, meiner Theorie widersprochen". Aber warten wir mal einen Moment ab. So neu ist seine Theorie nicht., wie sie aussieht. Eine schnelle Lektüre seiner Texte erinnert an die „Theorie der Konditionierung“ des russischen Physiologen Ivan Petrovich Pawlow (1849-1936). Ganz zu schweigen vom amerikanischen "Behaviorism" von John Broadus Watson (1878-1958). Chaters Anschauung zielt darauf ab, zu bestätigen, dass wir intellektuell leere, absolut leere Hülsen, praktisch neurovegetative Systeme sind, die sich einbilden denken zu können. Mit anderen Worten: Wir sind dumm.

Pawlows Hund 

Pawlows Hund, der beim Klang einer Glocke anfängt, Speichel zu produzieren, weil er darauf dressiert worden ist, ist noch weltweit bekannt. Für seine Arbeiten über die Funktion des Verdauungssystems erhielt der russische Physiologe 1904 den Nobelpreis für Medizin. Der konditionierte Hund war ein kollaterales Produkt seiner Experimente. Seine Beobachtungen wurden dann in seinem Buch „Die bedingten Reflexe“ veröffentlicht. Pawlow eröffnete dort eine Polemik, in der er den Einsatz der Psychologie beim Verständnis der Gehirnfunktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedauerte. Er hätte es vorgezogen, dass diese Studie im Rahmen der Physiologie bleibt... Also kein Eingriff der Intelligenz beim Hund.

Und beim Menschen? Kein kulinarisches Wissen, keine Wahrnehmung von Farben, Gerüchen und Anordnung der Speisen spielt eine Rolle. Man muss ja nichts wissen über die Herkunft der Zutaten bei den Lebensmitteln. Gutes Essen erfordert keine Kultur, sondern nur Reflexe... Sind wir Hunde? Nichts gegen freundliche Hunde, aber...

Der amerikanische Behaviorismus bzw. die Verhaltenspsychologie sind ein Paradigma der wissenschaftlichen Psychologie, wonach das beobachtbare Verhalten im Wesentlichen entweder durch die Reflexreaktion auf einen bestimmten Stimulus oder durch die Wechselwirkungen des Individuums mit seiner Umgebung bedingt ist... Dieser Trend setzte sich Ende des 19. Jahrhunderts mit Edward Thorndikes als Buch veröffentlichte Dissertation „Animal Intelligence: An Experimental Study of the Associative Processes in Animals“ (Columbia University, 1898) durch. John Broadus Watson in den Vereinigten Staaten und Vladimir Bekhterew in Russland waren die Gründer dieser Schule. Watson definierte seine Theorie wie folgt: "Der Behaviorismus unterstreicht, dass der Bereich der menschlichen Psychologie dasjenige des menschlichen Verhaltens ist. Er meint, dass Bewusstsein weder ein definiertes noch ein brauchbares Konzept ist“. Daher wäre die Psychologie nicht die Wissenschaft des Geistes. Diese Vision leugnet praktisch die Existenz von Kultur.

Wahrnehmung erst im Nachhinein? 

Im Gegensatz zu Watson, dessen Ideen den Experimenten Pawlows sehr nahe stehen, nach dem es möglich ist, menschliches Verhalten wie das von Tieren zu beschreiben und infolge dessen zu „konditionieren“, d. h. zu lenken, ohne auf interne psychologische Prozesse Bezug zu nehmen, kann eine menschliche Reaktion nicht nur von außen beschrieben werden, sondern muss auch von innen verstanden werden. Schon die Sprache, die uns deutlich von den Tieren unterscheidet (obwohl Tiere, insbesondere Primaten und Vögel, Formen der Tonkommunikation haben), bringt uns eine kulturelle Wahrnehmung der Welt. Weil wir Werte und Prinzipien als Konzepte erhalten haben, von denen einige wahrscheinlich angeboren sind (wie der Drang des Einzelnen nach Freiheit und Autonomie), bekämpfen Dissidenten in totalitären Regimen die Manipulation und Unterdrückung durch den Staat, der die Menschen zu blökenden und ängstlichen Schafen macht. Diese starken Persönlichkeiten mit einer starken Identität beweisen, dass man die Menschen weder wie Steine auf dem politischen Schachbrett beliebig bewegen kann noch sie wie Zuchttiere in einem Staatsgebilde behandeln, wo der Staat beansprucht ihr „Erzieher“ zu sein. Im Gegenteil dazu zielt der Behaviorismus wie die „Theorie des flachen Geistes“ darauf ab, "unsere Vorstellung von uns selbst zu untergraben und zu zeigen, dass unsere tiefe Identität auf Wind basiert".

Laut den Behavioristen, wenn jemand sich selbst für glücklich erklärt, macht er das durch eine Externalisierung seines körperlichen Zustandes deutlich - erhöhte Herzfrequenz, Lächeln, etc. – kurz mit einer Veränderung seines körperlichen Zustandes. Wenn keines dieser äußeren Phänomene sichtbar ist, schlieβt der Behaviorist daraus messerscharf, dass die Person nicht wirklich glücklich ist. Wenn der Hund keinen Speichel zu dem Klang der Glocke verabreichte, stellte Pavlov fest, dass er nicht hungrig war. Dasselbe gilt dann für den angepassten Menschen, bei dem die Bereitschaft zur Unterwerfung vorherrscht. Aber was ist denn mit dem Hunger nach Lesen und Wissen, nach Kunst und Hoffnung, nach Liebe ? Was an den von der Zeitschrift "Science et Vie" zitierten Experimenten rund um Nick Chaters Theorie auffällt, ist ihre allzu starke Verbindung zu physiologischen Reaktionen. So schlägt nach seiner Meinung unser Herz bei Gefahr schneller. Dies führt zu einer emotionalen Reaktion, welcher unser Gehirn eine kulturelle Komponente hinzufügt: Die Angst. Aber Angst ist für die Befürworter der Chater-Theorie nur ein Wort, um die Beschleunigung der Herzfrequenz zu beschreiben.

Wir können den neuen Behavioristen - nennen wir sie so - Recht in dem Sinne geben, dass unser Gehirn uns täuscht und dass seine Verknüpfungsgeschwindigkeit uns glauben lässt, dass die Deutung aus der Tiefe unserer Seele kommt. Diese Hirntäuschung ist bekannt, besonders in Verdauungsangelegenheiten (wir kommen zu Pavwlow zurück), zum Beispiel indem wir unseren Hunger vergessen, wenn wir denken, dass wir bereits gegessen haben. Aber zeigt das nicht die innere Kraft des Gehirns, das aus sich selbst heraus Gefühle herstellt? Freilich es ist unbestreitbar, dass unser Hirn utilitaristisch ist. Selektives Gedächtnis unterdrückt unnötige Erinnerungen. Uninteressante Wahrnehmungen werden zugunsten derjenigen von dringender Aktualität und Nützlichkeit aussortiert. Das hat im Laufe der Jahrtausende dem Menschen das Überleben ermöglicht.

Keine Kultur ohne Deutung

Recht haben Chater und Co. auch in dem Sinne, dass wir unsere Wahrnehmungen und Reaktionen „überinterpretieren“, also „deuten“, dass wir sie mit dem Glanz der Kultur schmücken, die uns anzerzogen worden ist. Aber, ohne diese Überinterpretation gäbe es keine Literatur, keine Kunst, keine Wissenschaften. Wir segeln nicht von Emotion zu Emotion, sondern von Vorstellung zur Vorstellung. Es gibt sogar ein Denken, das aus dem Denken hervorgeht und nicht aus äußeren Wahrnehmungen entsteht: Die Philosophie.

Was wäre, wenn Nick Chaters Theorie der Dummheit nur eine Täuschung für Narren wäre? Es wäre nicht so beunruhigend, wenn diese Vision eines Roboter-Menschen nicht rechtslastige faschistoide oder linkskollektivistische politische Strömungen fördern würde, die daraus ein Werkzeug für ihre totalitäre Propaganda machen könnten. Sie haben heute keine Chance mehr, sich wie Lenin und Hitler „beim dummen Volk“, „bei den Massen“, wie Hitler in „Mein Kampf“ schrieb, durchzusetzen. Aber die neue Psychologie kann aus ihnen Automaten machen. Wir sind in unseren Gesellschaften heute Zeugen von Massenphänomenen, die nicht aus der Intelligenz und aus der Kultur, sondern eher aus dem „flachen Geist“  hervorgehen.  (JPP)                                                                                                         


Intelligenz im freien Fall in Europa?

Die Relevanz von IQ-Tests (Intellectual Quotient) ist umstritten. Sollen wir internationale IQ-Studien ernst nehmen, die darauf abzielen, das Entstehen eines alarmierenden Trends im Westen zu belegen? Laut mehreren aktuellen Studien ist ein allgemeiner Rückgang des IQ vor allem in Europa in den letzten 15 Jahren festzustellen. Sind wir dümmer als vorher und warum? Aber vielleicht ist dieser Trend nur ein Aspekt des "Europe Bashing“ antieuropäisch eingestellter internationaler Agenturen, besonders bei den Vereinten Nationen, der darauf abzielt, uns Stammeuropäer zu entmutigen und zu destabilisieren, uns abzuwerten und uns schuldig zu machen? Tatsächlich vermischen diese Studien allerlei und sind nicht sehr überzeugend. Wir sollten sie nicht für bare Münze nehmen, aber wir müssen sie berücksichtigen, wenn wir von unseren Fehlern lernen wollen.

Die jüngste Umkehr des "Flynn-Effekts".

Ein allmählicher Rückgang des IQ im Westen

Im Gegensatz zu einem 20. Jahrhundert, das durch einen radikalen und weit verbreiteten Anstieg des durchschnittlichen IQ im Westen gekennzeichnet war, nimmt der Trend zum Abstieg im 21. Jahrhunderts vor allem in Nordeuropa zu.

Dieses Phänomen sieht aus wie eine Umkehrung des berühmten "Flynn-Effekts", der vom neuseeländischen Forscher James R. Flynn entdeckt wurde, der den Anstieg des durchschnittlichen IQ im 20. Jahrhundert durch verbesserte Gesundheitsbedingungen und einen breiten Zugang zu Bildung erklärte.

Laut einer Studie, die 2013 in der Fachzeitschrift „Intelligence“ veröffentlicht wurde, ist das Phänomen unter den Briten am offensichtlichsten. Zwischen 1999 und 2013 gab es einen Rückgang um 14 Punkte bei einem Durchschnittswert von 100. Nach dem Brexit- Referendum unter David Cameron und den politischen Umwälzungen unter Theresa May und dann unter Boris Johnson ist man versucht zu denken, dass dieser Verlust an Klugheit hauptsächlich politische Kreise im Vereinigten Königreich betrifft.

In Frankreich ist das Phänomen weniger alarmierend, aber genauso real. Seit Anfang der 2000er Jahre gab es einen Rückgang von fast 4 Punkten bei einem Durchschnittswert von 98. Angesichts der Bewegung der Gelbwesten und der ständigen Streiks und Demonstrationen, die eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber dem Arbeitswert in unserem Land widerspiegeln, ist dies nicht verwunderlich.

Der gleiche Trend lässt sich in Australien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und der Schweiz beobachten.....

"Wir werden immer dümmer und dümmer, es passiert jetzt und es wird nicht aufhören", sagt Edward Dutton, (Ulster Institute for Social Research, Großbritannien) in der Dokumentation "Tomorrow, all morons? ", ausgestrahlt auf ARTE im November 2017.

Eine weitere Bestätigung einer Studie über den IQ von 730.000 Norwegern, die zwischen 1970 und 2009 beim Militär waren: Der durchschnittliche IQ fiel innerhalb einer Generation um 7 Punkte.

Das reicht aus, um den Stolz des Menschen zu mindern, der sich seiner unbegrenzten "Evolution" rühmt.......

Die höchsten IQs gibt es in Asien, dann in Europa

Forschungen des Briten Richard Lynn, emeritierter Professor für Psychologie an der University of Ulster (Nordirland) und des Finnen Tatu Vanhanen, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der University of Tampere (Finnland), haben zu einem Ranking der durchschnittlichen IQs in über 80 Ländern zwischen 2002 und 2006 geführt [1]. Hier ist eine Stichprobe der Länder mit dem höchsten IQ. Der erste Preis geht an zwei asiatische Enklavenstädte, aber es ist überraschend, dass Israel fast ganz unten auf dieser Liste steht, da der hebräische Staat prozentual im Verhältnis zu seiner Bevölkerung den höchsten Anteil an Erfindern und Wissenschaftlern in der Welt zu haben scheint. Dies stellt dieses Ranking in Frage. So hätte der durchschnittliche IQ pro Land zwischen 2002 und 2006 in Hongkong und Singapur 108 betragen; 106 in Südkorea; 105 in Japan; 105 in China; 105 in Taiwan; 104 in Italien; 102 in den Niederlanden, Norwegen und Großbritannien; 99 in Belgien, Deutschland, Finnland, Polen, Schweden ; 98 in Spanien, den Vereinigten Staaten und Frankreich ; 97 in Belarus, Russland und der Ukraine; in Israel und Portugal 95 ; in Griechenland und Irland 92.

Warum sinkt der durchschnittliche IQ in Europa?

Entgegen aller Erwartungen scheint es schwierig, die Bildungssysteme der Länder für schuldig zu halten, die vom Rückgang des IQ betroffen sind - von denen einige in PISA-Studien sehr gut platziert sind.

Andererseits führen immer mehr Forscher dieses signifikante Phänomen auf Umweltursachen zurück.

Die störende Rolle von hormonaktiven Stoffen

Eine der Erklärungen für den Rückgang des durchschnittlichen IQ im Westen steht im Zusammenhang mit der Verbreitung von endokrinen Disruptoren [2], die auf den Hormonhaushalt einwirken und die Wirkung von Jod, einem für die Gehirnentwicklung wesentlichen chemischen Element, behindern.

"Viele der Moleküle, die die Chemie für den industriellen Bedarf erfunden hat, weil sie andere Halogene als Jod enthalten, können die Schilddrüse stören und verhindern, dass sie die Gehirnentwicklung harmonisch organisiert", sagt Barbara Demeinex, Physiologin und Autorin des „Beschädigten Gehirns“.

Jod ist ein Spurenelement, das für die Produktion von Schilddrüsenhormonen unerläßlich ist. Jodmangel führt zu Schilddrüsenfehlfunktionen. Kropf (vergrößerte Schilddrüse) und Kretinismus sind extreme Erscheinungsformen.

Es ist zu beachten, dass Jodmangel bei Müttern zu Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und einem Rückgang des IQ bei ihren Kindern führt. Die Produkte unseres täglichen Lebens (Kosmetik, Lebensmittel, Kleidung, Sofas, Fernseher, Computer...) enthalten jedoch chemische Moleküle (wie PCBs, Flammschutzmittel, Bisphenole und Pestizide) aus Fluor (F), Brom (Br) und Chlor (Cl), die von unserem Körper mit Schilddrüsenhormonen verwechselt werden. Dadurch wird die Entwicklung unserer kognitiven Fähigkeiten behindert.

Pestizide reduzieren den IQ

Chlorpyrifos, ein Insektizid und Akarizid, das sich bei Nutzpflanzen, Tieren, Rasenflächen und in allen Obst- und Gemüsearten, Boden und Wasser bis hin zu Kinderurin und schwangerer Nabelschnur befindet, ist ein Beispiel dafür.

Dieses Produkt, das 1965 das berüchtigte DDT ersetzen sollte, hat Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung exponierter Kinder, die "dauerhaft, irreversibel und lebenslang zu sein scheinen".

"Eine Reihe von Studien zeigt, dass Kinder, die Chlorpyrifos im Mutterleib oder im frühen Leben ausgesetzt worden  sind, im späteren Leben an neurodevelopmentalen Störungen leiden können - was zu strukturellen Veränderungen im sich entwickelnden Gehirn führen kann, die zu verminderten kognitiven Fähigkeiten wie niedrigerem IQ und Gedächtnisverlust führen können", sagt die NGO HEAL.

Im August 2019 erklärte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), dass "das Pestizid Chlorpyrifos nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Kriterien für seine Erneuerung als in der Europäischen Union zugelassener Stoff erfüllt. Es sollte daher in der Europäischen Union im Jahr 2020 verboten werden.

Die genetische und soziologische Hypothese

Nach den Schlussfolgerungen einer im Jahr 2016 in der Zeitschrift PNAS veröffentlichten genetischen Studie kann ein demographischer Faktor in der Regression des im Westen beobachteten durchschnittlichen IQ angenommen werden. Diese Hypothese basiert auf der Beobachtung, dass bei Personen mit hohem IQ die Neigung, Kinder zu bekommen, aufgrund des Engagements für eine langfristige Hochschulbildung geringer wäre. Damit würde es zu einer Unterrepräsentation dieser Individuen in der Gesamtbevölkerung kommen.

Bis etwa zum 19. Jahrhundert waren Personen mit hohem IQ wahrscheinlich eher in der Lage, eine Familie anständig zu erziehen. Vor allem die Chance, Frauen heute eine Karriere zu ermöglichen, verlangsamt die Geburtenrate bei denjenigen, die in ihrem Beruf erfolgreich sind. Ein Dilemma, das die Gesetzgebung zu lösen versucht, bisher unvollkommen.     

Der fragliche Cannabiskonsum

Der Intelligenzverlust ist auch auf den weit verbreiteten Cannabiskonsum im Westen zurückzuführen, dessen Auswirkungen auf das Gehirn nicht mehr nachgewiesen werden müssen. Gedächtnisverlust und Depression Jahre nach dem Cannabiskonsum sind feststellbar. Laut einigen Studien könnte regelmäßiger und übermäßiger Cannabiskonsum einen IQ-Rückgang von fast 8 Punkten verursachen.

Mehr Fernsehen und mehr Dummheit

Schließlich können wir eine generalisierte Dumpfheit vermuten, die auf die erhöhte Zeit vor dem Fernseher zurückzuführen ist.

Laut den jährlichen Umfragen von Mediametrie verbrachte 1989 ein Franzose durchschnittlich 3 Stunden am Tag vor dem Fernseher. Im Jahr 2016 betrug die tägliche individuelle Hörzeit (IED) des TV-Mediums 3 Stunden und 52 Minuten! Mit anderen Worten, wir verbringen 60 Tage im Jahr vor dem Fernseher..

Neben der bedauerlichen Schwäche der Programme hätte das Fernsehen erhebliche Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen, insbesondere bei den Jüngsten. "Das Fernsehen kann die Entwicklung von Kindern unter drei Jahren behindern, auch wenn es sich um speziell auf sie ausgerichtete Kanäle handelt", betont die CSA sogar.

Entwicklungsverzögerungen sowie Aufmerksamkeitsstörungen sind daher auf den Einsatz dieses Mediums zurückzuführen, die auch zum Rückgang des IQ beitragen können. Aber wir sind nicht ganz überzeugt, dass das Fernsehen allgemein schädlich ist. Wir stellen fest, dass dank dem Fernsehen immer mehr Staatsbürger sich für wissenschaftliche, historische, künstlerische und musikalische Themen interessieren. Ihr Interese dafür bleibt meist oberflächliche aber es hat Bestand.

Immer mehr dumme und verrückte Menschen?

Die Alterung der Weltbevölkerung führt zu einem Anstieg der Zahl der Menschen mit Demenz. So wird sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der Menschen mit Demenz in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich verdreifachen, von 50 Millionen auf 152 Millionen bis 2050.

"Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form er Demenz und macht 60 bis 70% der Fälle aus. Andere häufige Formen sind vaskuläre Demenz und Mischformen" (WHO).

Neben den psychischen und moralischen Belastungen im Zusammenhang mit Demenz sind die immer höhere Kosten, die auf 818 Milliarden Dollar oder mehr als 1% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts geschätzt werden, so die WHO in ihrer Warnung, das Problem: "Bis 2030 dürften sie sich auf mehr als 2 Billionen Dollar verdoppeln, was der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung schaden und die Gesundheits- und Sozialdienste, einschließlich der Langzeitpflege, überfordern könnte. »

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1.         Im Jahr 2002 veröffentlichten die beiden Forscher einen Aufsatz mit dem Titel "IQ and the Wealth of Nations".

2.         "Hormonaktive Stoffe sind körperexterne Chemikalien natürlichen oder künstlichen Ursprungs, die das Funktionieren des Hormonsystems beeinträchtigen und somit schädliche Auswirkungen auf diesen Menschen oder seine Nachkommen haben können" (WHO).