Divergenzen


Ein Grenzproblem: Das Staatenchaos in Europa

Tradition und Orthodoxie der Paneuropäischen Bewegung erforderten einen lauten Protest gegen die Schließung der inneren Grenzen Europas, als die Regierenden im März-Juni 2020 die Durchgänge von Staat zu Staat verriegelten. Wir haben uns alle gefreut, dass dieser Protest von dem stärksten und erfahrensten unserer Brudervereine, Paneuropa Deutschland mit Sitz in München, formuliert wurde.

Dessen Vorsitzender, Bernd Posselt, wünschte sich in einem Statement seines Pressedienstes am 6. April 2020 „eine koordinierende Aufsicht der EU-Kommission bei der Schließung von Binnengrenzen in Krisenfällen, denn ein derartiges Chaos wie diesmal darf nie mehr passieren“. So lange sie noch nicht aufgelöst worden sind, sind die Mitgliedsstaaten in der Tat leider noch die Herren ihrer Außengrenzen, die zugleich Binnengrenzen der EU sind. So hat es durchaus chaotisch ausgesehen, als einer nach dem anderen seine Grenzen schloss. Korrekturen an diesem unschönen Bild müssten in der Tat vor der nächsten Krise auf der Tagesordnung der EU stehen.

Persönlich bin ich sehr dafür, dass Paneuropa die Anregung Posselts aufgreift, nach Möglichkeit eine europäische Aufsichtskoordinierung, warum nicht sogar eine Aufsichtsbehörde zu gründen, um dem Chaos ein Ende zu setzen und ein harmonisch gleichgeschaltetes Europa zu schaffen, das man über einen Kamm scheren kann. Es ist ehrlich zu wünschen, dass die EU verhindert, dass  Nationalregierungen nach individuellem Gusto handeln. Aber Notwehrsituationen wie die neuerliche Corona-Pandemie sind ihnen immer ein Vorwand,  in  den nationalen Souveränitätspfuhl zurück zu fallen und aus der Reihe zu tanzen. Die Gewählten in den Mitgliedsstaaten machen für Eilmaßnahmen wie etwa Grenzschließungen geltend, dass sie dadurch ihre Völker vor Gefahren schützen wollten.

Das Argument ist freilich schwer zu widerlegen. Mit seiner Stellungnahme vom 6. Mai beharrte unser deutscher Bruderverein couragiert und überzeugt fest bei der paneuropäischen Lehre, die wir alle vertreten: "Wenn die nationalstaatlichen Innenminister noch länger auf einer Drosselung des Schengen-Systems beharren, wird eine der größten Errungenschaften der europäischen Integration, nämlich die Freizügigkeit von Personen, Waren und Dienstleistungen, auf der Strecke bleiben“, monierte Posselt. Angesichts der verheerenden Corona-Plage mit ihren Zehntausenden von Todesopfern hat er dennoch seine Stellungnahme sehr diplomatisch differenziert.

Er bot den Regierungen der Mitgliedsstaaten einen Ausweg an: “Die Virus-Bekämpfung erfordert die Abriegelung von konkreten Hotspots, aber nicht von ganzen EU-Mitgliedstaaten bei gleichzeitiger Zerteilung zusammengewachsener Grenzregionen." Richtig! Wer als Mensch, Ware oder Dienstleistung sehnt sich nicht nach freiem Verkehr auf dem Kontinent? Besonders in Straßburg hält man viel von Grenzregionen. Welcher Grenzfranzose möchte nicht seine Zigaretten in Deutschland kaufen, wo sie billiger sind?

Ja, warum nicht? Es lief das Gerücht, dass Nikotin vor dem Coronatod schützt. Das wird sich bestimmt wissenschaftlich bestätigen lassen. Das Problemchen der Konkretisierung und Identifizierung der „Hotspots“ ist allerdings weniger einfach zu lösen. Das launische Virus springt von Ort zu Ort. Kein Arzt, kein Forscher kann heute sagen warum und wie. Aber die Wissenschaft wird sicherlich das bald können. Die Virologie schreitet voran und wir verfügen schon über die technischen Mittel, um die verdächtigen Fälle mit Tracking und Navigation bis in ihre „Hotspots“ zu verfolgen und dort vom Rest der Welt abzutrennen, bis sie sich in Staub aufgelöst haben. Das wird den bornierten Nationalstaaten klar machen, dass Grenzschließungen ein Irrweg waren.

Unser Freund von Paneuropa Österreich Rainhard Kloucek (hierunten) teilt unsere Meinung. Er argumentiert seinerseits zu Recht, dass Grenzschließungen auch deswegen absurd sind, da Viren nicht an Staatsgrenzen halt machen. Gut beobachtet:  Viren tragen weder Pass noch Ausweis bei sich. Selbst der akribischste Zollbeamte kann sie nicht kontrollieren. Allerdings benutzen sie unsere Körper als Transportmittel. Intelligente Politiker  sind dahinter gekommen und sahen keine bessere Möglichkeit, als deswegen ihre Transporter an den Grenzen und damit deren Gastviren anhalten zu lassen.

Wir können aber nicht als Paneuropäer eine solche Praxis billigen. Diese Verfahrensweise gleicht, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Um die Grenzen für die Menschheit offen zu lassen, sollen Mittel und Wege gefunden werden, um  die  Viren und Bakterien an den Binnengrenzen, noch besser an der 14 803 Kilometer langen Außengrenze der EU einzeln festzunageln. Paneuropa sollte dabei helfen.

Aus alledem kann man schließen, dass Paneuropa in der Krise wieder mal die Werte und Errungenschaften unseres Idealeuropas effektiv und bravourös vertreten hat. Wir sollen weiter so machen, denn die Verhältnisse sind oft erstens komplizierter und zweitens als man denkt. (Jean-Paul Picaper, Straßburg/Frankreich. Mit Sophie von Stralendorff, Deutschland, 11.05.2020)


Ein Virus macht nicht an einer Staatsgrenze halt 

Zur Öffnung der Grenzen muss ich ehrlich gestehen, bin ich auch für die Öffnung der Grenzen. Ich weiß, das klingt angesichts der noch nicht besiegten Pandemie vielleicht absurd. Ein Virus macht aber nicht an einer Staatsgrenze halt. Wir sehen eine ganze Menge von Problemen, die sich durch die Schließung der Grenzen ergeben haben. Wir holen jetzt in Österreich Pflegerinnen aus Rumänien mit einem Sonderzug nach Österreich, damit bei uns die Altenpflege funktioniert. Und da könnte ich noch ein paar weitere Beispiele nennen. Die Staatsgrenzen halten das Virus nicht auf. Das ist eine scheinbare Sicherheit.

Stattdessen müssen wir auf „Grenzen“ zu jenen Gebieten setzen, aus denen das Virus seine Verbreitung nimmt. In Tirol wurden ganze Ortschaften in Quarantäne gesteckt, weil dort ein sehr hoher Prozentsatz von Menschen infiziert war. Wahrscheinlich war es auch richtig Regionen unter Quarantäne zu stellen. Ich verstehe auch, dass man zu Beginn, mit recht wenig Information, Staatsgrenzen geschlossen hat. Aus heutiger Sicht halte ich das für nicht wirklich sinnvoll, auch wenn es in einzelnen Fällen noch hilfreich sein kann. Das sind aber dann die Ausnahmen, die man machen kann. Man hat in den vergangenen Wochen doch sehr viel Wissen gesammelt. Dazu gehört vor allem die schnelle Isolation der Infizierten, damit sie das Virus nicht weiter verbreiten können. Das lässt sich aber in der jetzigen Situation wohl auch ohne Grenzschließungen und automatische zwei Wochen Quarantäne für all jene, die eine Staatsgrenze überschreiten, organisieren. (Rainhard Kloucek, Wien/Österreich.0.05.2020)


Wir schützen auch die Unvernünftigen

Die Worte des Vorsitzenden von Paneuropa Deutschland Bernd Posselt, der sich für die Öffnung der Grenzen stark gemacht hat, schienen mir wie immer wohl gewählt. Natürlich dürfen die Schengengrenzen nicht unter irgendeinem Vorwand geschlossen werden und natürlich muss man diesbezüglich wachsam sein. Immer an die europäischen Werte und Freiheiten zu erinnern ist sehr wichtig. Nicht nur die Bewegungsfreiheit natürlicher Personen sondern auch die Warenverkehrsfreiheit (Ausfuhrverbote für medizinische Ausrüstung) waren in den letzten Wochen zumindest temporär eingeschränkt. Dass wir als Europäer in unserem Land Europa reisen und uns frei bewegen wollen, ist unser Recht, Teil unserer Identität und vor allem nachvollziehbar. Für mich ist Heimaturlaub auch Urlaub in Frankreich, Deutschland, Italien oder Kroatien. Alles ist Europa, alle sind wir Brüder und Schwestern und ich betrachte ganz Europa als meine Heimat.

Es geht aber um unser Leben

Worauf die Einwände von Jean-Paul Picaper aber absolut richtig hingewiesen haben, ist, dass es nicht um unsere politische Überzeugung oder um unsere Freiheitsrechte geht. Es geht um unser Leben. Leider sind viele Menschen sich dieser Gefahr nicht bewusst. Sie ist unsichtbar und bis zu dem Zeitpunkt an dem es bereits zu spät ist auch nicht spürbar. Solange die Politik gut und richtig agiert, kommt das Virus den meisten Menschen nicht gefährlich nahe. Ohne Ausgangssperren, Quarantäne und vergleichbar extremen Maßnahmen die wir jetzt erlebt haben, hätte es nicht zehntausende, vielleicht am Ende einhundertausend Tote in ganz Europa gegeben. Nein, es hätte Millionen Tote gegeben. Erst dann hätten auch die Unvernünftigsten, die sich fälschlicherweise als mutig oder furchtlos beschreiben, verstanden, dass es sich um eine reale Gefahr für Leib und Leben handelt.

Eine Demonstration ist das falsche Zeichen

Das große Glück unserer Zeit ist, dass wir in unseren Demokratien mit zahllosen sozialen Absicherungen und in unserem Sozialstaat mit unserer sozialen Marktwirtschaft eines tun: Die Schwachen schützen. Nur wir schützen nicht nur die Schwachen, die es benötigen. Wir schützen auch die Unvernünftigen. Dafür wird der vernünftige Rest dann auch noch beschimpft. Wir müssen das als Gesellschaft aushalten, wir haben unsere Demokratie so gebaut, dass jeder seine Meinung mitteilen und vertreten darf so unvernünftig oder absurd sie auch scheinen mag. Eine Demonstration gegen eine vernünftige politische Maßnahme zu organisieren mag zwar erlaubt sein, ich finde aber, dass es ein falsches Zeichen ist und gleichzeitig eine Gefahr für alle Teilnehmer ist.

Natürlich bin ich für eine Exit-Strategie aus jeder Absperrung und Ausgangssperre, um das normale Zusammenleben in der EU wieder aufzunehmen. Vor allem für die bereits stark geschädigte Wirtschaft ist das dringend notwendig. Alle Maßnahmen aufzuheben, sofort wieder sämtliche Grenzen für jeglichen Verkehr zu öffnen und zum "business as usual" zurückzukehren, ist aber jetzt noch viel zu früh und würde nicht abschätzbare Folgen nach sich ziehen. In Österreich gibt es gerade einmal keine täglichen Todesopfer mehr. In Deutschland geht es in die richtige Richtung. In Großbritannien sterben noch tausende. Die Idee zur Normalität zurückzukehren ist richtig, aber im Sinne aller Leben der europäischen Bürger zu früh! (Dominik Possert. Graz/Österreich, 29.04.2020)


 Hört an der Grenze die Freundschaft auf...?

Die Grenzregionen zwischen Frankreich und Deutschland, wo gemeinsame Europaregionen entstanden sind, haben mehr als andere unter der Covid 19-Krise gelitten. Sie haben eine traurige Feststellung gemacht: Die Grenzschließungen haben gezeigt, dass die Völkerfreundschaft zwischen Deutschen und Franzosen nicht so stabil und innig war, wie man sie sich vorgestellt hatte, sondern oberflächlich und labil. Natürlich, die fremdenfeindlichen Hasstiraden und Beschimpfungen, die hie und da ausgetauscht wurden, kamen nicht über die Lippen der klügsten und gebildetsten Vertreter unserer Nationen(,) und man sollte nicht daraus nicht voreilig den Schluss ziehen, dass Nationalismus wieder aufblüht.

Viele denken zu Recht, dass die Grenzschließungsmaßnahmen Folgen haben werden. Längst vergessen geglaubte Ressentiments sind wieder hochgekommen. „Dreckige Franzosen“, „Sie sollten wieder in ihr Land zurückgehen“, mussten sich französische Autofahrer anhören, und den Deutschen wurde dann wieder herablassend „Nazis, schmutzige Boches“ erwidert.

In Baden-Württemberg, wo das Virus wie in Bayern sehr aktiv war, ist die Angst vor Besuchern aus dem zum Risikogebiet erklärten Ostfrankreich (Süd- und Nordelsass, Lothringen) noch groß. Die Grenze war „insbesondere zu Einkaufs- und Freizeitzwecken“ für diese Bevölkerung vom linken Rheinufer besonders dicht gemacht. Nur zur Arbeit durfte man einpendeln. Aber sie mussten an vielen Orten Proviant mitnehmen. Es wurde ihnen verboten, ihr Mittagessen zu kaufen. Franzosen, die rechtsrheinisch auf deutschen Boden einkaufen wollten, bekamen sogar von der deutschen Polizei Strafmandate in Höhe von 250 € und bei Wiederholung bis 1 500 €. Heute noch entstehen riesige Staus, weil die deutsche Polizei sehr akkurat jedes Auto kontrolliert.

Es heißt, dass an manchen Orten am Anfang der Seuche, als das Elsass zum „Pestgebiet“ Gebiet erklärt wurde, deutsche Polizisten, die Maschinenpistole im Anschlag wie bei Terroristenfahndungen, die Zufahrt nach Deutschland verhinderten. Eine ganze Reihe von elsässischen Gemeinderats- und Parlamentsabgeordneten haben an (die) Bundeskanzlerin Merkel einen gemeinsamen Brief geschickt: "Unsere Mitbürger bedauern diese Barrieren, die in unserer Region, die so viel mit Ihrem Land teilt, Leid und ein Gefühl der Ungerechtigkeit hervorrufen. „Was ist aus dem Aachener Vertrag geworden? Was ist aus der deutsch-französischen Freundschaft geworden? Was ist mit Europa geschehen?“, schrieben sie.

Daraufhin ist an einigen Grenzpunkten die Kontrolle etwas gelockert worden. Aber (der) Bundesinnenminister Seehofer hatte die Sperren ohne eine Begründung bis zum 15. Mai verlängert. „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden“, sagte der Fraktionschef der SPD im Rheinland-Pfälzischen Landtag. Schließlich am späten Nachmittag des 24. April sprach der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl zum ersten Mal von der Wiederöffnung der Grenzen "unter bestimmten Bedingungen". "Wenn die Gesundheitssituation zwischen dem Großraum Ost und Baden-Württemberg weitgehend ausgeglichen ist und wenn die Geschäfte in Frankreich wieder geöffnet sind, können wir uns eine schrittweise Wiedereröffnung der Grenzübergänge vorstellen", erklärte er nach einem Gespräch mit Jean Rottner, dem Präsidenten der französischen Region Großraum Ost.

Am 29. März hatten zwei Grenzkommunen von Rheinland-Pfalz und Lothringen, Hornbach und Bitche, auf Initiative eines Bürgermeisters mit mehreren deutschen und französischen Kollegen und einer französischen Parlamentsabgeordneten, Nicole Trisse (mit dem roten Mantel im Bild), an der Grenze eine Mini-Protestdemonstration gegen die Grenzschließung organisiert (unser Bild). Die Aktion wurde vom Verein Paneuropa Rheinland-Pfalz unterstützt.

Genauer betrachtet sind die Grenzen im Schengen-Raum nie ganz geschlossen worden. Sie standen nur unter Kontrolle mit strengen Auflagen. Zur Arbeit dürfen Pendler ins Nachbarland fahren. Auch zur ärztlichen Behandlung und zu Familientodesfällen darf man den Rhein von Frankreich nach Deutschland überqueren. Mir ist es neulich gelungen, meinen Wagen von Straßburg über die Europabrücke nach Kehl in Deutschland zu bringen, um ihm die Sommerreifen aufsetzen zu lassen, obwohl das kein „dringender Reisegrund“ war.

Die Region, die am meisten unter dem Covid-Effekt leiden wird, ist natürlich das Elsass und seine Metropole Straßburg. Es hat nicht nur unter der Schließung der Grenze zu Deutschland gelitten. Nach den in der Tageszeitung "Le Figaro" und im Fernsehen veröffentlichten Karten Frankreichs war die Zone höchster Gefahr im Osten und Nordosten in Rot und der noch relative gesund Rest des Landes in Grün gekennzeichnet. Dabei war die rote Region nur wegen fehlender Atmungsgeräte in den Krankenhäusern ein Problem. Sonst war im Elsass die aktive Zirkulation des Virus sowie die Deckung des Testbedarfs völlig in Ordnung. Aber neogaullistische Gewählte und Abgeordnete im Elsass hoben das "erschöpfte elsässische Gesundheitssystem" und die "bereits so schwer getroffene" elsässische Wirtschaft hervor, um die Regierungsmehrheit von Macron zu behelligen. Ein Bärendienst im wahrsten Sinne des Wortes.

Wenn man bedenkt, dass das Elsass, insbesondere Straßburg, vom Tourismus, einschließlich des internationalen Tourismus, lebt, muss man sich fragen, wie solche Leute Besucher in die Region zurückholen werden. Denn selbst wenn das Gebiet "dekontaminiert" ist, wird es stigmatisiert bleiben. Klischees sind langlebig und es ist sehr schwierig, sich von einem schlechten Ruf zu erholen. Ein Jahrhundert später sprechen wir immer noch von der "Spanischen Grippe", obwohl die Spanier nichts damit zu tun hatten. Die tödliche rote Farbe ist abstoßender als das Virus, auf jeden Fall ist sie sichtbarer. Frankreich ist das einzige zweifarbige Land in Europa auf den Karten gewesen. Es war nicht die beste Idee der Regierung. Einstmals wäre dies als ein Aufruf zum Sezessionskrieg angesehen worden. Und diese Karikatur läuft Gefahr, im kollektiven Unterbewusstsein zu bleiben.

Vielleicht werden wir uns damit abfinden müssen, dass das Parlament im Corona-Straßburg nicht mehr tagen will. Das Leben in der Eurometropole wird dann bei bester Gesundheit zusammenbrechen. Die ultimative Lösung könnte dann darin bestehen, dass man das EU-Parlamentsgebäude in eine historische Ton- und Lichtshow für Touristen verwandelt. (J.-P. P., Strasbourg/France. Mit Elisa Mayböck/Österreich, 12. Mai 2020)


DIE ÖKOLOGIE-DEBATTE

Gegen die Poitisierung des Klimawechsels

Die Diskussion um den Klimawandel wird allmählich hysterisch. Sie wird extrem politisiert. Allerdings ist das keine Neuigkeit. In den 1970er Jahren hatte die deutschen Grünen bereits den Kampf gegen den Vietnam-Krieg und die USA durch den Kampf gegen die Kernkraft und das Waldsterben ersetzt. Dann gab es nach dem Zusammenbruch des Sowjetblocks eine Pause. Und nun steigt die linke grüne Welle wieder mächtig und ruft übermäßige Reaktionen rechtsaußen hervor, wo man Realitäten verneint, die wir täglich erleben. Propaganda und Gegenpropaganda lassen wir uns vergessen, worum es eigentlich geht und was auf dem Spiel steht. Unser Ziel ist es, diese Debatte zu entpolitisieren.

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Auf der einen Seite schwenkt der vor allem junge, nach links neigende Teil der Bevölkerung in den industrialisierten Staaten die Fahne der Ökologie und errichtet den Kampf gegen die Erwärmung der Erde durch die menschlichen Aktivitäten zur absoluten Priorität. Auf der Gegenseite nimmt der ältere, eher konservativ-liberale Teil der Gesellschaft Abstand von der Klimafrage, vielleicht zu viel Abstand, und haben das Gefühl, dass politische Parteien den Klimawechsel aufgrund von Trends zu ihrem bevorzugtem Thema machen.

Zwischen denjenigen, die die nahende Apokalypse ankündigen, wenn man nichts tut, und denjenigen, die meinen, dass es gar keinen menschengemachten Klimawechsel gibt, weil es natürliche, ja sogar kosmisch verursachte Klilmaschwankungen in der Erdgeschichte unabhängig von den Menschen immer gegeben hat, sind unsere Gesellschafen geteilt. Führt es teilweise zu einem Generationenkonflikt? Man kann diesen Eindruck haben.

In erster Linie geht ein rechts-links-Konflikt, ein Schisma mitten in der Gesellschaft daraus hervor. Weswegen muss man einen messbaren Sachverhalt, bei dem es um die Zukunft der Menschheit geht, politisieren? Es gibt offensichtlich Menschen, die alles in ihrem Sinne verdrehen und ihr politisches Süppchen auf jedem erdenklichen Feuer kochen wollen? Es wäre schon besser, wenn man sich in aller Ruhe und sachlich darüber unterhalten könnte, wie man es bisher jedenfalls mit der Covid-19-Pandemie tut, ohne in Panik und Erregung zu verfallen.

Aber es gibt offensichtlich Themen, die sich zur Politisierung eignen, und andere die es nicht oder weniger tun.

Zwei Faktoren

Aber die Frage ist, warum den Klimawechsel und warum man unterstreicht, dass die klimatischen Schwankungen ganz unabhängig von den Menschen natürlicher, ja sogar kosmischer Herkunft sind und immer waren. Es wird von dieser Seite darauf hingewiesen, dass es in der Erdgeschichte immer abrupte Temperaturschwankungen gab, oder sogar, dass wir zumindest in Europa eher auf eine Abkühlung als auf eine Erwärmung zusteuern.

Für das eine wie für das andere gibt es keinen endgültigen und schlüssigen Beweis. Das sich bei den Naturphänomenen sich etwas ändert, kann man allerdings mit bloßem Auge sehen. Überschwemmungen, Orkane, Trockendürre, Waldbrände und Hitzewellen, Rückzug von Gletschern und Schnee, Artenschwund, gab es immer, aber doch mehren sie sich.

Führt das zu einem Generationenkonflikt? Es sieht manchmal so aus. Aber vor allem geht ein links-rechts-Spalt durch die Gesellschaft hindurch. Wir sind in unserem Europa-Verein politisch-neutral und wollen auf allen Feldern Meinungskonflikte abschwächen und die Debatte auf konkrete Sachverhalte zurückführen. Warum muss eine solches Problem, bei dem es um die Zukunft der Menschheit geht, politisiert werden? Gibt es bei uns Menschen, die alles in ihrem Sinne verdrehen und ihr politisches Süppchen auf jedem erdenklichen Feuer kochen wollen? 

Was ist es denn, das den Klimawechsel so leicht politisierbar macht? Dafür gibt es zwei Faktoren: einen inneren und einen äußeren.  

Der innere Faktor rührt daher, dass die menschengemachte Erderwärmung mit der Industrialisierung zusammenhängt und dass es heute fast hundert Jahre nach der ersten Industrierevolution immer noch Menschen gibt, die sich mit der Lebens- und Organisationsweise in der Industriegesellschaft nicht abfinden. Das “Zurück zur Natur“ hat es immer gegeben und wird es zum Glück immer geben. Aber der Mensch lebt immer mehr in einer künstlichen Welt, die die Industrie herstellt und er kann sich nicht darüber beklagen. Die Welt ist für ihn bewohnbarer gemacht. Er lebt immer länger, immer gesünder. Die Anti-Industrie-Welle hat aber auf ihrem Humus viele kritische Denker, die behaupteten, wissenschaftlich zu arbeiten, an erster Stelle Karl Marx, und oppositionelle Bewegungen erzeugt. Sie behaupteten, das Glück auf Erden zu bringen und sie haben nur Unglück gebracht. Natürlich war ihre Lehre unwissenschaftlich, ganz besonders auch die rassistischen Lehren der Nazis, die auch wissenschaftlich sein wollten, und deren Vorurteile von der modernen Genetik restlos widerlegt worden sind.

Der äußere Faktor ist das Fiasko des Marxismus, der unter Beweis gestellt hat, dass er ökonomisch zu Katastrophen führt und politisch abscheuliche Diktaturen hervorbringt, und zwar nicht zufällig als stalinistische oder maoistische Verfehlung (Motto: Das nächste Mal werden machen wir es besser), sondern von der Doktrin heraus. Schon am Ende des 19. Jahrhunderts hatten Sozialdemokraten erkannt, dass die Revolution des sog. Proletariats nie stattfinden würde. Nur in der Depression und im Chaos der Kriege konnte sich der Marxismus an die Macht heranschleichen. Die Kernargumente des Marxismus-Leninismus-Maoismus wie die „Diktatur des Proletariats“, die „Vergesellschaftung (Verstaatlichung) der Produktionsmittel“, die Praxis der Zentralplanung und die Schaffung einer „Elite des Proletariats“ mit dem Blick auf das Endstadium „Kommunismus“ auf Kosten der vorübergehenden „Sozialismus“ sind die eigentlichen Ursachen der Katastrophe. In Russland, in China, auf Kuba, in Südostasien sind die Marktwirtschaft und die unternehmerischen Initiative wieder eingeführt worden, um die totale Verelendung aufzuhalten. Nur eine Handvoll kommunistische Polizei- und Militärdiktaturen sind hie und da noch erhalten geblieben. Die rassistische Ideologie des Nationalsozialismus und des diktatorischen Faschismus können nicht wieder auferstehen, weil die Verbrechen insb. des Dritten Reiches den Gipfel der totalen Unmenschlichkeit und der grausamsten Absurdität erklommen hatten. Aber Stalin, Mao und ihre Epigonen und Nachahmer von links sind nicht besser als der rechtsradikale Hitler gewesen.

Infolgedessen hat die Welt von heute keine große, kritische Ideologie mehr fürs Heute, und keine Utopie für die Zukunft.

Marxismus durch die Hintertür

Europa hat das alles erlitten und überwunden und das ist gut so. In den Staaten Mittel- und Osteuropas weiß man noch, was war, aber in Westeuropa sind Generationen in der Hochschätzung der entwerteten Marx-Ideologie erzogen worden, ohne deren Nachteile ertragen zu müssen. Sie sind nicht gegen den Totalitarismus geimpft worden. Daher ist im Weltanschauungsvakuum einer nicht so glitzernden Demokratie und einer sehr materialistischen Marktwirtschaft ein Freiraum entstanden für politische Träumer; für Religionsfanatiker, für Polit-Sekten, Immigrationsförderer und für Illusionisten. Kein Wunder, dass in diesem Vakuum des 21. Jahrhunderts die Metastasen des 20. Jahrhunderts wiedererscheinen, inkl. diejenigen des Nationalsozialismus Massenwahns.  

Im Moment hat der Spätmarximus den „Mainstream“ im Griff. Aber heute will niemand mehr freiwillig den Sozialismus-Kommunismus als kollektive Lebensform übernehmen. Dieser muss also maskiert auftreten. Nostalgiker des angeblich glückbringenden Marxismus-Leninismus versuchen deswegen heute auf Umwegen, ein Derivat ihrer gescheiterten Weltanschauung wieder schmackhaft zu machen. Daher muss der Marxismus heute durch die ökologische Hintertür hereinkommen. Sie haben den roten Marxismus in grün getüncht und wollen Staat und Gesellschaft in Richtung auf eine öko-marxistische Diktatur umbauen, in welcher die grün-progressiven Kräfte am Ruder wären. Kaum gibt es eine soziale Protestbewegung, daran heftet sich der Restmarxismus als „Antikapitalismus“ wie eine Klette an die Rentenreform, die Eisenbahnreform, an die radikale Frauenbewegung, usw. Die Bewegung „me-too“, so berechtigt sie in Sonderfällen auch sein mag, zielt letzten Endes darauf, ein generelles Misstrauen, ja sogar Hass unter den Frauen gegenüber den Männern zu verbreiten. Man kann schon glücklich sein, dass der Coronavirus von den Antikapitalisten nicht instrumentalisiert wird.

So durchdrängen Spannungen und Hass die Gesellschaft und da liegt die große Gefahr, größer als der Klimawechsel selbst. Und die radikale Rechte trägt dazu bei, indem sie gegen diese Übertreibungen überreagiert.

Drohkulisse Kollapsismus

Zu diesem Zweck wird wie in religiösen Sekten und im Radikalislam eine Weltuntergang-Drohkulisse aufgebaut, um eine Stimmung zu schaffen, die uns für einen Systemwandel aufnahmebereit machen könnte. Wir erleben ein Endzeitschauspiel, wo nicht nur alles, was bisher war, als überholt erklärt wird. Man soll sogar die wunderbare Zweiteilung der Menschen in zwei Geschlechter, die sich gegenseitig anziehen, sich lieben und konstruktiv zusammenarbeiten zugunsten von abstrakten „Gendern“ aufgegeben. Die bewährten Wirtschaft- und Politikeinrichtungen, die uns trotz ihrer Fehler und Schwächen Jahrzehnte lang Wohlstand und Gesundheit gebracht haben, sollen wie die berühmte Flinte ins Korn geworfen werden.

Freilich, es gibt gute Gründe sich gegen allerlei zu empören. Niemand kann leugnen, dass es soziale Missstände gibt und dass unsere chaotischen Aktivitäten das Klima verschlechtern. Aber erstens sollte jeder damit anfangen, vor der eigenen Tür zu kehren. Die meisten Menschen leben heute, als wären die Ressourcen unerschöpflich und als ihr Verhalten gar keine Folgen für die Gesellschaft hätte. Sollte man nicht die Verschwendung von Fossilienbrennstoff und von Nahrung eindämmen? Für viele linke Menschen ist die Ökologie nur ein Vorwand, um die freie Gesellschaft mit ihren Freiheiten umzustülpen. Und für eine gewisse Rechte - dazu zählen wir die AfD in Deutschland und die RN in Frankreich- ist die Anti-Ökologie-Propaganda nur Mittel zum Zweck, wie die Anti-Euro-Kampagne und die Anti-Migrations-Agitation es gewesen sind. Es geht ihnen gar nicht um die Sache, sondern die Sache ist nur Vorwand, um Wählerstimmen zu sammeln. Warum interessiert sich denn plötzlich die AfD fürs Klima? Sie reagierte nicht auf den realen Klimawandel, sondern auf die linken Klimakampagnen. Immerhin warnt sie vor der Klimadiktatur, vor der Diktatur der  

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Dabei gibt es ihn wirklich, den Klimawandel, der mal Richtung Erhitzung, mal Richtung Vereisung schwankt. Ganz abgesehen von der Produktion von Plastikschrott, todbringender Luftverschmutzung, krebserregender Chemikalien und schädlicher Folgen unserer falschen Lebensweise als verwöhnte, vergeudende Kinder des Wohlstands. Dazu gehört die unglaubliche Gewohnheit in Frankreich, den Motor des Privatwagens oder des Traktors nicht auszuschalten, wenn man sich mit Bekannten unterhält oder einen Kaffee trinkt. Warum benutzt man nicht, wenn möglich, das Fahrrad statt des Wagens? Warum werfen viele ihren Zigarettenstummel auf den Bürgerstieg? Kann man Gewohnheiten nicht ändern, darüber ruhig diskutieren und mit den Erkenntnissen der Wissenschaft die Erde bewohnbarer machen? Einige tun das. Sie sind die Stillen im Lande. (Jean-Paul Picaper - 09.03.2020)

ÖKOLOGIE: KRITISCH GESEHEN

Die EU auf Abwegen: Klimarettung statt Marxismus-Leninismus

von Rainhard Kloucek

Diese Rettung des Klimas wurde in der EU zur neuen Heilslehre ausgerufen. Sie darf in keiner Rede mehr fehlen, kein Programm kommt mehr ohne Klimarettung aus. Zur Klimarettung ist praktisch alles erlaubt, was man irgendwie als Klimarettung verkaufen kann.

Sie wurde zum Ersatz für den Marxismus-Leninismus in den früheren Ostblockstaates. Damals im Kalten Krieg ging nichts ohne Verweis auf die rettende Ideologie, die letztlich ganz Osteuropa (und viele andere Teile der Welt) in eine grausame Tyrannis und den wirtschaftlichen Abgrund führte.

Um das Klima zu retten hat die Europäische Kommission nun (mit Unterstützung des Europäischen Parlaments) einen Green Deal ausgerufen. Tausende Milliarden an Euro sollen „investiert“ werden.

Nicht zufällig wurde wohl der Name gewählt. Er soll an den New Deal in den USA erinnern, der nach der Weltwirtschaftskrise in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgerufen wurde. Zwar glauben immer noch sehr viele Menschen daran, dass dieser New Deal die USA gerettet hat (weshalb der Begriff immer noch für viele Menschen positiv besetzt ist). Tatsächlich ist aber längst nachgewiesen, dass dieser New Deal ein ökonomisches Desaster war.

Der heutige Green Deal soll nun einen völligen Umbau der europäischen Wirtschaft bringen, bis 2050 will die EU klimaneutral – was immer der Begriff bedeuten mag – sein, gleichzeitig soll er die Wirtschaft innovativer und Europa noch viel sozialer machen. Was in diesen Schlagworten schön klingt ist die planwirtschaftliche Vorgabe zur Schaffung der eierlegenden Wollmilchsau.

Von der Lissabon-Agenda zum Green Deal

In vielen Bereichen erinnert der Green Deal an die im Jahr 2000 präsentierte Lissabon-Agenda, die die EU bis 2010 zur „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Volkswirtschaft der Welt“ machen sollte. Das gelang zwar nicht. Dafür hob man 2010 dann die „Europa 2020-Strategie“ aus der Taufe, die ähnliche Ziele verfolgte. In planwirtschaftlichen Spielen wurden Multiplikatoreneffekte suggeriert, die nie existiert haben. Würde dieser Multiplikatoreneffekt (der Staat gibt einen Euro, meist auf Schuldenbasis, aus („investiert“), das schaffe eine Wohlstandsmehrung um mehrere Euro) tatsächlich existieren, könnten sich die Staaten mit Verschuldung aus der Verschuldung herausinvestieren. Planwirtschaftliche Ansätze sind immer gescheitert.

Knallhart-Sozialist für Green Deal zuständig

Noch hält aber ein Wirtschaftssystem das auf Unternehmertum beruht, einen gewissen Wohlstand aufrecht. Die schon genannte Zombiefizierung der Wirtschaft und die gigantischen Billionenumlenkungen durch den Green Deal sind als Bedrohungsszenario jedoch nicht mehr zu übersehen. Dass mit dem Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans ein knallhart-Sozialist für den Green Deal verantwortlich zeichnet, darf als zusätzliche Bedrohung gewertet werden.

 Primat der Politik statt ökonomischer Vernunft

 Zusätzlich hat die EU-Kommission bereits weitere Maßnahmen angekündigt, die in den ökonomischen Abgrund führen werden. Zwar hat man im Zuge der sogenannten Euro-Rettung die Stabilitätskriterien für den Euro in einer Nacht- und Nebel-Aktion über Bord geworfen, sie blieben aber bisher bestehen, und es galt das Ziel, die EU-Staaten wieder auf diese Maastricht-Kriterien zurückzuführen. Sie betreffen vor allem die Staatsverschuldung.

Nun hat die Kommission angekündigt, demnächst einen Katalog von sogenannten „grünen Investitionen“ vorzulegen, die dann nicht mehr in die Staatsverschuldung eingerechnet werden. Damit wären die Stabilitätskriterien endgültig tot. Schulden würden per Verordnung als Nicht-Schulden definiert. Die nächste Bankenkrise wäre vorprogrammiert. Noch können EU-Kommission und Europäisches Parlament diese Pläne nicht ohne die Mitgliedsländer umsetzen.

Die Klimarettung ist aber auch in den Mitgliedsländern zum allerersten Ziel der Politik erkoren worden. Projekte wie die Umdefinition von Schulden in Nicht-Schulden für „grüne Investitionen“ finden sich auch in Regierungsprogrammen wie in Österreich (siehe eine Bewertung des Wiener Regierungsprogramms) in ähnlicher Form wieder.

Wie immer gilt es in der Politik neben den Ankündigungen die konkreten Handlungen zu bewerten. Die bisherigen Ankündigungen aus der EU-Politik (für die die Kommission als Hüterin der Verträge maßgeblich verantwortlich zeichnet) sollten aber alle vernünftigen Kräfte hellhörig werden lassen. (RK - Februar-März 2020)

POSITIV GESEHEN

Täglich für das Klima und die Biosphäre kämpfen

Wissenschaftler haben uns davor gewarnt, dass das Klima bald völlig außer Kontrolle geraten könnte und dass wir kurz davor stehen, dass ganze biologische Systeme, wie beispielsweise ein Tropenwald, zusammenbrechen. Das Gleiche gilt für das Eis in der Arktis. Es ist zu spät für brennende tropische Wälder und schmelzende Polkappen. Es kann sein, dass das ganze Klima abstürzt und wir uns bald in einem Alptraum befinden werden, aus dem es kein Aufwachen mehr geben wird. Dies gilt auch für die Biosphäre, in der viele Pflanzen- und Tierarten aussterben können, wenn ihre Vertreter weniger werden und den Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt.

Klima: der CO2-Abdruck

Wenden wir uns zuerst dem Klima zu. Wir haben noch ein kleines Zeitfenster von zehn Jahren, um den globalen CO2-Abdruck um die Hälfte zu reduzieren. Und dreißig Jahre, um es auf Null zu bringen! Aber das erfordert dringend massive Investitionen in saubere Energie und Beschäftigung. Europa ist dabei, eine Vorreiterrolle zu spielen. Die EU hat ein historisches grünes Abkommen verabschiedet, das eine globale Klimarevolution einleiten könnte. Aber die Befürworter fossiler Brennstoffe haben bereits wichtige Elemente dieses Plans abgekoppelt - also lassen Sie uns durch unsere Abstimmungen und groß angelegten Umfragen massive Unterstützung für das Klima in ganz Europa zeigen!
Wir müssen uns auf die Biosphäre konzentrieren und dürfen die Ökologie nicht dazu nutzen, ein Wirtschaftssystem zu stürzen, das relativ gut funktioniert, zumindest besser als die dirigistischen Systeme des 20. Jahrhunderts. Die Wirtschaft muss zum Wohle aller effizient bleiben und weiterhin auf sich ändernde klimatische Bedingungen mit Anpassungen und Reformen funktionieren. Ein wirtschaftliches "Krach" wäre eine Katastrophe für die Menschheit. Klimakatastrophen müssen vermieden werden, indem massiv in nachhaltige und umweltfreundliche Technologien und Arbeitsplätze investiert wird, damit sich die gesamte Wirtschaft allmählich von den fossilen Brennstoffen lösen kann. Deshalb könnte die Idee des Europäischen Grünen Paktes effektiv werden und uns zu einer verbindlichen, CO2-freien Zukunft, die niemand mehr verlassen wird.

Mit Europa zu beginnen ist der beste Weg, diesen Plan weltweit umzusetzen - um unsere Vision einer Welt zu verwirklichen, die auf 100% sauberer Energie basiert. Deshalb können wir die Kernenergie - trotz der damit verbundenen Risiken - nicht verlassen, so lange alternative Energien nicht den größten Teil unseres Bedarfs decken.

Plastische Verschmutzung

Bezüglich der sektoralen Maßnahmen wurde am 12. Juni letzten Jahres eine europäische Richtlinie veröffentlicht, die die Verwendung mehrerer Kunststoff-Einwegprodukte verbietet. Das Europäische Parlament hatte sie am 27. März auf Vorschlag der Kommission angenommen. Dazu gehören Kunststoffstrohhalme, Besteck und Teller, Kaffeestangen, Ballon- und Baumwollstiele, etc. Ihre Liste ist im Internet verfügbar. Die Richtlinie gilt auch für Kunststoffbehälter, die in der Küche und verwendet sowie für Fischernetze. Alle diese Kunststoffprodukte werden ab dem 3. Juli 2021 aus der Europäischen Union verbannt. Die Richtlinie legt auch fest, dass die Mitgliedstaaten bis 2029 90% der Kunststoffflaschen sammeln sollen. In der EU verkaufte Flaschen müssen bis 2025 mindestens 25 % recycelten Kunststoff und bis 2030 mindestens 30 % enthalten. Sie gilt ach für nicht biologisch abbaubare Plastikbeutel, Müllbeutel, kommerzielle Kassenbeutel, Vakuumbeutel, Werbetaschen, etc. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts machte ihre Herstellung etwa 4% des jährlichen Ölverbrauchs aus. Diese Taschen stellen viele Umweltprobleme dar, insbesondere in der Meeresumwelt, was zu einem schrittweisen Verbot durch viele Länder führt.

Im Jahr 2015 unterzeichnete das Europäische Parlament einen Text über die massive Reduzierung von Einweg-Plastiktüten. Die Vereinbarung sieht eine schrittweise Reduzierung der Verwendung von Plastiktüten vor. Im Jahr 2019 muss jeder Mitgliedstaat seine Verwendung auf 90 Plastiktüten pro Person und Jahr und dann im Jahr 2025 auf 40 reduzieren. Die Verwendung von Plastiktüten ist innerhalb der Europäischen Union von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die besten Schüler sind Dänemark und Finnland mit einer Verwendung von 4 Taschen pro Jahr und Einwohner. Die schlechten Schüler sind Portugal und Polen sowie die Slowakei, wo ihr Verbrauch 450 Plastiktüten pro Einwohner und Jahr beträgt. Nach Ansicht der französischen und europäischen Kunststoffindustrie hat dieses Verbot noch einen weiteren positiven Effekt, nämlich weil diese dünnen Plastiktüten seit langem zu 98% aus China importiert wurden.

Frankreich bereitet auch ein Anti-Verschwendungs-Gesetz vor, wovon eine der Schlüssel-Maßnahmen von der französischen Nationalversammlung am 13. Dezember einstimmig beschlossen wurde. In diesem Zusammenhang wird dieser Gesetzvorschlag als Grundlage für eine "Kreislaufwirtschaft" bezeichnet, d. h. eine Wirtschaft deren Produkte verlustfrei oder mit möglichst geringem Verlust recycelt werden können, um aus dem Produktionsvernichtungskreislauf herauszukommen, in dem wir noch gefangen sind. Die angenommene Maßnahme verbietet die Vernichtung von unverkauften Non-Food-Artikeln wie Hygiene- und Textilprodukte, die ab 2022 gespendet oder recycelt werden müssen. Oder für grundlegende Hygieneprodukte wie Seife, Zahnpasta oder Hygieneschutz wird die Spende an Verbände und andere Strukturen der Solidarwirtschaft sogar obligatorisch und das Recycling soll verboten werden.

Europa zum Vorbild machen

Bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt zu werden, das ist die größte Herausforderung und Chance unserer Zeit für Europa. Zu diesem Zweck hat die Europäische Kommission am 11. Dezember dieses Jahres den Grünen Pakt für Europa vorgelegt, ein äußerst ehrgeiziges Maßnahmenpaket, das es den Bürgern und Unternehmen der EU ermöglichen soll, von einem nachhaltigen ökologischen Wandel zu profitieren. Diese Maßnahmen werden von einem ersten Fahrplan flankiert, der aus einer Reihe von Schlüsselpolitiken besteht, von ehrgeizigen Emissionsreduzierungen bis hin zu Investitionen in fortgeschrittene Forschung und Innovation zum Schutz der natürlichen Umwelt Europas.

Unterstützt durch Investitionen in grüne Technologien, nachhaltige Lösungen und neue Unternehmen kann der Grüne Pakt für Europa eine neue Wachstumsstrategie für die EU sein. Die Beteiligung und das Engagement der Öffentlichkeit und aller interessierten Parteien ist für ihren Erfolg unerlässlich. Riesige globale Kampagnen, Anzeigen in großen Medien und Meinungsumfragen mit massiver öffentlicher Unterstützung: Die Menschen müssen endlich und überall wirksame Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise fordern.

Wir sind so weit ! Anstatt uns damit zu begnügen, den Kampf um die Zukunft des Planeten oder um seine Zerstörung zu beobachten, können wir aktiv für die Erde kämpfen. Im Moment tun die Lobbyisten alles mögliche, um die Umsetzung dieses großartigen Plans zu verhindern. Lasst uns ihn verteidigen, für uns selbst, für unsere Kinder und für zukünftige Generationen. (Niels Gans – 16. Dezember 2019)

Aufruf zum Klimakampf

Wissenschaftler haben uns davor gewarnt, dass das Klima bald komplett außer Kontrolle geraten könnte.Wir stehen bald vor dem Zeitpunkt, wo biologiche Systeme, wie etwa ein Regenwald, umkippen können. Das Gleiche gilt für das Eis in der Arktis. Für die brennenden Regenwäldern bis hin zu schmelzenden Polkappen ist es zu spät.  Es könnte sein, dass das gesamte Klima kippt und wir uns bald in einem Albtraum befinden, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.

Wir haben noch ein kleines Zeitfenster von zehn Jahren, um die globale Kohlenstoffbelastung zu halbieren. Und dreißig Jahre, um sie auf Null zu bringen! Dazu braucht es jedoch dringend massive Investitionen in saubere Energien und Arbeitsplätze. Europa steht kurz davor, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die EU hat am 12. Dezember 2019 einen wegweisenden "Green Deal" vorgeschlagen, der eine globale Klimarevolution einläuten könnte. Aber die Unterstützer fossiler Brennstoffe haben wichtige Elemente dieses Plans schon einmal zum Scheitern gebracht -- zeigen wir also mit unseren Stimmen und groß angelegten Umfragen unseren massiven Rückhalt in ganz Europa!

Wir müssen uns auf die Biosphäre konzentrieren und nicht die Ökologie missbrauchen, um das sonst gutfunktionierende Wirtschaftssystem auch umkippen zu lassen, wie die Marxisten-Leninisten das früher beabsichtigten. Die Wirtschaft soll zum Wohle aller leistungsfähjig bleiben und den geänderten klimatischen Bedingungen gemäss weiter arbeiten. Ein Wirtschaftskollaps wäre für die Menschheit eine Katastrophe. Die Klimakatastrophe soll verhindert werden, indem wir massiv in nachhaltige und umweltfreundliche Technologien und Arbeitsplätze investieren, damit sich die gesamte Wirtschaft von fossilen Brennstoffen allmählich loslösen kann. Deshalb könnte die Idee des europäischen Green Deal so wirkungsvoll sein: Eine verbindliche, kohlenstofffreie Zukunft, die niemand im Stich lässt.

Mit Europa zu starten ist der beste Weg, um diesen Plan weltweit auszurollen -- um unsere Vision einer Welt zu verwirklichen, die auf 100% sauberer Energie basiert. Man kann deswegen auch nicht aus der Atomenergie so schnell aussteigen. Riesige globale Kampagnen, Anzeigen in wichtigen Medien und Meinungsumfragen, die massive öffentliche Unterstützung zeigen -- so lassen wir wissen: Menschen überall fordern endlich wirksame Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.

Der Moment ist da! Anstatt nur zuzusehen, können wir aktiv für unsere Zukunft kämpfen. Im Augenblick setzen Lobbyisten alles daran, diesen großartigen Plan zu verhindern. Stehen wir auf und verteidigen dieses Vorhaben -- für uns, unsere Kinder und für kommende Generationen.

Umwelt und Ernährung

Politische Maßnahmen helfen nicht, wenn nicht jede und jede seine Lebensweise umzustellt

von Elisa Mayböck

 In einem meiner Kurse an der Universität – „Politische Ideen der Gegenwart“ – führte unser Vortragender eine kurze, spontane Abstimmung zum Themenbereich „Essgewohnheiten“ durch. Nur interessehalber, meinte er. Und interessant war das Ergebnis allemal. Die Hälfte der Studierenden gaben an, sich fleischlos zu ernähren. Die andere Hälfte sah sich angesichts dieses Abstimmungsergebnisses sogar bemüßigt ihren Fleischkonsum zu rechtfertigen. Zumindest war dies mein Eindruck. Aussagen wie „Ich esse nur einmal pro Woche Fleisch“ oder „Mir ist die Herkunft und die Qualität des Fleisches sehr wichtig“ kamen mehr als einmal vor.

Ich als Vegetarierin freute mich im ersten Moment sehr über dieses Abstimmungsergebnis. Ich sah mich in meiner Überzeugung bestätigt, dass eine fleischlose Ernährung eine relativ einfache Möglichkeit darstellt, einen schonenden Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen zu praktizieren. Im zweiten Moment wurde mir jedoch bewusst, dass ein 50%-Anteil an Vegetariern natürlich keine wahrheitsgetreue Abbildung der österreichischen – und auch nicht der durchschnittlichen europäischen – Bevölkerung darstellt. In diesem Kurs waren ausschließlich weibliche Studierende im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Studien belegen, dass der Vegetarier-Anteil bei Frauen größer ist als bei Männern und mit höherer Bildung noch zunimmt *.  Wir Studierende in diesem Kurs waren demnach genau die Zielgruppe einer fleischlosen Ernährung und deshalb alles andere als repräsentativ.

Diese Kurseinheit führte mir wieder einmal vor Augen, dass jeder sehr in seiner eigenen Meinung "gefangen" ist und nicht über den Tellerrand blickt bzw. andere Meinungen nicht gelten lässt, obwohl dies notwendig wäre.  Meine Wirklichkeit sieht in Bezug auf Umwelt- und Klimaschutz in etwa so aus: Mir wiederstrebt es in Plastik verpackte Produkte zu kaufen. Dies geht so weit, dass ich Supermarkt-Ketten E-Mails sende, mit der Bitte sie mögen ihre Verpackungspolitik überdenken und bestenfalls auf ökologisch verträgliche Materialien umstellen. (Erstaunlicherweise erhält man auf derartige E-Mails sogar zum Teil ausführliche Antworten der Verantwortlichen.) Auch die bereits erwähnte vegetarische Ernährung und der Kauf von saisonalen und regionalen Produkten ist Teil meiner Wirklichkeit in Bezug auf eine ökologische Lebensweise. Ebenso wie das „Flight-Shaming“, also das schlechte Gewissen beim Antritt einer Flugreise, wenn eigentlich eine Reise mit der Bahn ebenso möglich wäre (wie bei meiner vor ein paar Wochen angetretenen Reise von Wien nach Rom).

Diese Aspekte mögen vielleicht für einige Menschen drastisch erscheinen, eventuell werden sie als Auswirkungen der Fridays-For-Future-Bewegung belächelt. Mir ist jedoch nicht nach Lächeln zumute, wenn ich an die Zukunft unserer Erde denke. Dies soll keinesfalls hysterisch klingen, noch will ich damit Panik verbreiten. Dies ist nichts anderes als der Schluss, der aus der überwiegenden Mehrheit wissenschaftlicher Studien und Arbeiten gezogen werden muss. Deshalb ist ein Schulterschluss aller politischen Parteien und Kräfte erforderlich, um die auf uns zukommenden Problematiken lösen zu können. Die realitätsverweigernde Leugnung eines menschenverursachten Klimawandels hat dabei einfach keinen Platz.

Politische Maßnahmen können in diesem Zusammenhang noch so sinnvoll und gut gemeint sein, sie helfen nicht, wenn nicht jede und jeder Einzelne beginnt, seine Lebensweise Schritt für Schritt umzustellen. Dies geht unausweichlich mit Verzicht einher und Verzicht ist etwas, das der gewohnheitsliebende Mensch argwöhnisch betrachtet. Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich hier aus einer privilegierten Situation spreche: Gemüse und Obst aus dem Garten meiner Eltern, Milch und Eier vom großelterlichen Bauernhof und Brot und Gebäck vom Bio-Bäcker in meinem Heimatort decken einen Großteil meines Lebensmittelbedarfs ab. Dennoch hat jeder nach Kräften ihren bzw. seinen Beitrag zu einer umweltbewussten Zukunft zu leisten, unabhängig von politischen Ideologien und Parteienzugehörigkeit. Und wenn die Fridays-For-Future-Bewegung auch nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aufgerüttelt und zum Tätigwerden bzw. zum Ändern umweltschädlicher Gewohnheiten gebracht hat, hat sie ihre Berechtigung und verdient es nicht, als Panikmacherei abgetan zu werden. (E.M. - 12.3.2020)

* Mensink/Barbosa/Brettschneider, Verbreitung der vegetarischen Ernährungsweise in Deutschland, in „Journal of Health Monitoring“, Robert Koch-Institut, Berlin 2016.

Verfolgung von Christen in der Welt

Im Jahr 2010 wurde sie wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Blasphemie, wie ihre Henker das gegenüber dieser praktizierenden christlichen Frau in Pakistan meinten. Sie verbrachte mehr als acht Jahre in der Todeszelle. 2018 nach internationalen Protesten und Kampagnen zu ihren Gunsten freigesprochen, floh Asia Bibi im vergangenen Jahr nach Kanada. Sie möchte die französische Staatsbürgerschaft erwerben, um weiterhin mit der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet zusammenzuarbeiten, die zu ihrer Freilassung beigetragen hat.

Sie hat gerade ein Buch über ihre tragische Odyssee mit ihr veröffentlicht, das den Titel "Enfin libre! " trägt. Es wurde beim Verlag Éditions du Rocher in Paris veröffentlicht. Darin erzählt sie, wie sie wegen eines Glases Wasser zum Tode verurteilt wurde. In ihrem Dorf in Pakistan hatte man ihr ein Glas Wasser aus dem Brunnen angeboten und sie trank es. Die Nachbarn gingen dann zum religiösen Führer des Dorfes, um ihm zu sagen, dass sie Wasser aus eine Becher getrunken hatte, die für Muslime reserviert war.

Das hat gereicht, damit dieser Mann sie einer Beleidigung der Religion des Propheten beschuldigte. Aber natürlich war es ein Vorwand. Sie war bereits im Konflikt mit ihm und seinen Anklägern, und sie nutzten das aus, um sie zum Tode zu verurteilen. Während sie auf das Seil wartete, wurde sie in Einzelhaft gehalten. Sie hörte, wie andere Frauen, die ebenfalls Gefangene waren, sie regelmäßig beleidigten und ihre Hinrichtung forderten. Jetzt arbeitet sie zusammen mit ihrer Freundin an der Freilassung von Personen, die wegen religiöser Vergehen inhaftiert sind.

Nicht nur die Buddhisten in Tibet und die uigurischen Muslime in ihren chinesisch besetzten LÄndern  leiden unter schwerwiegenden Ungerechtigkeiten und Misshandlungen, wie in unserem Bericht über die chinesischen Konzentrationslager unten skizziert, sondern auch die Christen. Vor allem in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, aber auch im Fernen Osten. Dies wird in einer kürzlich erschienenen Zeitschrift ("Nordkorea - Die Dunkelheit durchbohren ") des protestantischen Vereins "Offene Türen" (Publikationsleiter René Koning, Imprimerie Commerciale, 2, rue de l'Artisanat, 67250 Straßburg) dargelegt. In seinem Leitartikel schreibt Patrick Victor, Direktor der Portes Ouvertes en France: "Nur Gott kann Licht an den dunkelsten Ort der Welt bringen: Nordkorea“. Der Verein "Offene Türen" verteidigt verfolgte Christen auf der ganzen Welt und macht eine nützliche und wertvolle Arbeit.

 In Nordkorea gilt der Besitz einer Bibel als Verbrechen gegen den Staat. In China verbietet der Herrscher des Landes, Xi Jingping, das Evangelium nicht wirklich. Er stellt sich als Evangelist auf, schreibt das Evangelium um, und diese Fassung aus seiner Hand muss offensichtlich gelesen werden (vgl. hierunten) (MP und JPP - 4.03.2020)

Das Evangelium nach Xi Jinping

Die chinesische Diktatur unterdruckt nicht nur Muslime, die in als "Berufsausbildungszentren" getarnte "Umerziehungs"-Lager gesteckt werden, wovon man ruhig sagen kann, dass es sich um Konzentrationslager handel (vgl. Artikel in unserer französischen Fassung).  Der totalitärste  Führer Chinas seit Maos Zeiten, der chinesische Präsident Xi Jinping, will alle Religionen in seine eigene Lehre integrieren. Er will nicht nur den Koran, sondern auch die Bibel und die buddhistischen Sutren berichtigen und neu schreiben lassen, um sie "den Anforderungen des neuen Zeitalters" anzupassen.

Das "neue Zeitalter" ist eine verschlüsselte Formel, die sich auf die Herrschaft von Xi Jinping bezieht, dessen Gedanken in der Verfassung von 2018 nach einem Parteitag zu seinem Ruhm festgelegt wurden. Bei einem Treffen am 6. November 2019 haben die chinesischen Behörden die Vertreter der wichtigsten Religionen aufgefordert, die chinesischen Übersetzungen ihrer Glaubenstexte mit der neuen Lehre in Einklang zu bringen. Die offizielle Xinhua-Agentur berichtete: "Bei nicht konformen Inhalten müssen Änderungen vorgenommen und die Texte neu übersetzt werden.

Bisher hatte sich Peking seit der Gründung der Kommunistischen Volksrepublik 1949 damit begnügt, die Religionen in sogenannte "patriotische" Organisationen einzurahmen. Die Praxis des Gottesdienstes hatte damals Zuflucht in Untergrundgemeinden genommen, die so von Verfolgung betroffen waren. Aber dies ist jetzt  das erste Mal, dass der kommunistische Staat die religiösen Botschaften umwandeln und das Denken ihrer Anhänger mit dem eigenen in Einklang bringen will. Seit einiger Zeit werden rote Fahnen in Tempeln und Propagandafahnen in Moscheen aufgehängt. In Ji'an, Provinz Jiangxi, hat das Porträt von Xi Jinpig die Jungfrau Maria mit Kind in einer katholischen Kirche ersetzt.

Diese Offensive erfolgt im Anschluss an die Vereinbarung zwischen Peking und dem Vatikan im Jahr 2018, die durch die Anerkennung von sieben vom Regime ernannten Bischöfen durch den Papst gekennzeichnet ist. Diese Vereinbarung wurde von chinesischen katholischen Würdenträgern als "Verrat" bezeichnet. Wieder einmal, diesmal im Fernen Osten, zeigte Papst Franziskus seine Leichtgläubigkeit, indem er den zerstörerischen Willen seiner Gesprächspartner unterschätzte. Die Kommunistische Partei Chinas versucht, ihren Einfluss auf das Gewissen auszuweiten.  (Nach "Le Figaro" vom 23. Dezember 2019, S. 8)