Der Verein Paneuropa Frankreich


Paneuropa ist ganz Europa. "Paneuropa" bedeutet aus dem Griechischen "ganz Europa". "Paneuropa" war der Titel eines Essays und eines Buches, das 1922-23 vom Journalisten, Schriftsteller und Politiker Richard Coudenhove-Kalergi veröffentlicht wurde. Er war am 16. November 1894 in Tokio  von einer japanischen Mutter und einem österreichischen Vater geboren worden und er starb am 27. Juli 1972 in Schruns, Österreich. Er gilt als Initiator der Paneuropäischen Bewegung. 1926 von ihm gegründet ist die Internationale Paneuropäische Union (IPEU) somit die älteste proeuropäische Bewegung.

Von seinem Projekt für den Frieden in Europa überzeugt schlossen sich die Politiker Aristide Briand, Gustave Stresemann, Joseph Caillaux, Winston Churchill, Léon Blum, Édouard Beneš, Konrad Adenauer, aber auch Albert Einstein, Sigmund Freud, Thomas und Henrich Mann, José Ortega y Gasset und viele andere Persönlichkeiten ihm an. Adolf Hitler hasste ihn persönlich, auch weil er eine jüdische Schauspielerin geheiratet hatte und den Antisemitismus bekämpfte. Der Aufstieg des Hitlerismus zwang Coudenhove-Kalergi, in die Schweiz, nach Paris und in die Vereinigten Staaten zu flüchten, wo er Otto von Habsburg (1912-2011) traf, der ebenfalls ausgewandert war, um Hitler zu entkommen.

Coudenhove-Kalergi sprach sechszehn Sprachen. Otto von Habsburg sprach sieben Sprachen. Coudenhove war 1939 zum Franzose eingebürgert worden und begann eine lange Korrespondenz mit Charles de Gaulle. Otto von Habsburg wurde ab 1972 sein Nachfolger an der Spitze der IPEU. Seit 2004 ist der ehemalige französische Abgeordnete Alain Terrenoire dessen Nachfolger. Der gemeinnützige Verein Paneurope France (UPF) wurde 1960 als französische Abteilung der IPEU gegründet, die heute aus 24 Abteilungen in 22 europäischen Ländern besteht, die noch nicht alle Mitglieder der Europäischen Union sind.

Der derzeitige Präsident der UPF, Jean-Yves Cousin, lebt in der Normandie und ihr Schatzmeister, Stephen Lequet, in Paris. Der Co-Präsident der UPF, Jean-Paul Picaper, und ihr Generalsekretär, Marti Bérenguer, wohnen in Straßburg, der europäischen Hauptstadt.Paneuropa Frankreich ist wie die anderen nationalen Sektionen der IPEU in ihren Entscheidungen selbständig. Ihr Status wird durch das französische Vereinsgesetz von 1901 und das französische Gesetz von 1905 über den Säkularismus geregelt.

Französischer Sonderfall

In Deutschland und Österreich ist der Säkularismus keine Regel in politischen Angelegenheiten. Damit befindet sich Paneuropa Frankreich in einer anderen Situation als ihre europäischen Schwestersektionen. Darüber hinaus ist die UPF von keiner Partei, Gewerkschaft oder Kirche abhängig. Jeder ist frei, seine persönliche Orientierung zu wählen. Weder Sekte noch sektiererisch deckt sie im Geiste der Toleranz das gesamte politische Spektrum, von der gemäßigten Linken bis zur republikanischen Rechten ab, indem sie extremistische Europafeinde und mystische Fundamentalisten ablehnt. Um nationalistische Tendenzen auszuschließen, nimmt sie Bürger aus anderen europäischen Ländern als Frankreich in ihre Reihen auf. Um im Einklang mit dem 21. Jahrhundert zu sein, hat sie keine Jugendunterorganisation. Man ist bei ihr Vollmitglied mit der Volljährigkeit, ab 18 Jahre. Zu partizipativen und demokratischen Zwecken trifft sie ihre Entscheidungen durch Beratung und in Transparenz.

Die grenzüberschreitende Mitgliedschaft und die Gleichwertigkeit der Generationen unterscheiden die UPF von allen anderen Abteilungen der IPEU. Darüber hinaus ist die überwiegende Mehrheit der neuen Mitglieder der UPF, die seit 2014 beigetreten sind, unter 35 Jahre alt und die Mehrheit davon sind junge Frauen. Um Konformismus und Gleichschaltung zu überwinden, zielt die UPF nicht darauf ab, eine Massenbewegung wie Volt oder AEGE zu werden, sondern die Vorhut der Europäischen Republik zu sein. Die "Paneuropäische Bewegung" sollte auch nicht mit der 1949 unter amerikanischem Einfluss gegründeten "Europäischen Bewegung" verwechselt werden. Paneuropa betrachtet die Erhaltung der europäischen Identität als eine Priorität. Wir wollen auch, dass Europa nicht nur das ist, was es ist, sondern auch das, was es auf der Grundlage seiner langen und turbulenten Vergangenheit tun kann und in Zukunft tun wird.

Wir sind den Vereinigten Staaten von Amerika dankbar, dass sie unsere Freiheit und unseren Wohlstand während des Kalten Krieges (1947-1989) gerettet haben. Wir sind für immer ihre Verbündeten und wir teilen ihre demokratischen Werte, aber wir unterwerfen uns nicht der Politik Washingtons. Wir wollen auch freundschaftliche Beziehungen zum europäischen Russland sichern, das von Gorbatschow vom Kommunismus befreit wurde, wissen aber, dass es seit der Gründung der Eurasischen Union durch Putin der Rivale der Europäischen Union ist. Was die Türkei betrifft, so ist sie keine europäische Macht. Sie ist eines der drei verschiedenen Mittelmeergebiete: Europa, Maghreb und Maschrik.

1960 schloss Europa seinen Erholungsprozess der Nachkriegszeit ab. Dies war nach dem Werk von Robert Schuman und Konrad Adenauer in den Jahren 1950-51 der zweite Moment der deutsch-französischen Annäherung, die von Präsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer angestrebt wurde. Mit der Taufe der UPF entstand zum ersten Mal seit dem Krieg ein europäisches Europa. Bis dahin war Westeuropa unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten geblieben, die es vor dem sowjetischen Imperialismus schützten und über ihm Ihr Schutzschild bis 1989 beibehielten. Aber bis heute noch hat sich die französische Idee einer unabhängigen internationalen Macht Europa nicht in allen Bereichen durchgesetzt.

"Sich erinnern, sich entwickeln"

Seit ihrer Gründung hat sich die IPEU weiterentwickelt. In ihrer Geschichte lassen sich zwei Phasen unterscheiden. Erste Phase nach ihrer Gründung 1926: Nach den verheerenden Massakern von 1914-1918 war das Hauptziel der IPEU der Frieden in Europa, indem sie die Nationalstaaten Europas in einer gemeinsamen Struktur zu vereinen anstrebte, die der heutigen EU sehr ähnlich ist. Zweite Phase von 1950-60: Nach den nationalsozialistischen, stalinistischen und sonstigen totalitären Diktaturen war es das Ziel der IPEU die Demokratie in Europa, d.h. den freien Willen des Staatsbürgers und die Selbstbestimmung seines Staates durchzusetzen. Diese beiden Elemente, Frieden und Demokratie, bilden heute die Grundlage von Paneuropa. Frieden mit Freiheit als Bonus wurde uns von der EWG und dann von der EU geschenkt. Die Völker Osteuropas haben ihre Freiheit selbst wiedererlangt.

Dieser Fortschritt ist ein Wunder, wenn wir zurückblicken. Es ist heute schwer, sich vorzustellen, wie das Leben im Krieg und im Kalten Krieg aussah. Deshalb wählte die UPF ein Motto in französischer Sprache, das im Oktober 2019 von uns als Graffiti auf einem Restabschnitt der Berliner Mauer gelesen wurde: "Sich erinnern, um sich zu entwickeln“ („Se souvenir pour évoluer“, „Remember to develop"). Paneuropa erinnert sich, dass sie sich seit Stalins Zeiten immer für die mittel- und osteuropäischen Länder eingesetzt hat, die an die UdSSR angekettet waren. Die Öffnung des Eisernen Vorhangs (während des berühmten "Sopron-Picknicks", das im August 1989 in Ungarn vom Europaabgeordneten Otto von Habsbourg organisiert wurde), gefolgt von der Öffnung der Berliner Mauer im November 1989, ermöglichte die Integration der ehemaligen UdSSR-Satelliten in die EU (und in die NATO). Aber dieses Ziel wurde noch nicht vollständig erreicht. Einige osteuropäische und südbalkanische Staaten warten noch auf ihren Beitritt zur EU. Da sind noch etliche weiße Flecken.

Europa und die Welt

Das heutige Europa besteht aus demokratisch gewählten Nationalstaaten, die die Wirtschaftsinitiative und die individuellen Freiheiten respektieren. Seit Helmut Kohl und François Mitterrand in den 90er Jahren besteht das Ziel darin, Europa als Ganzes zu vereinen und es zu einer Großmacht zu machen, die in der Lage ist, sich politisch und wirtschaftlich gegenüber den Riesenstaaten von morgen, den USA, China, Russland, dann Indien, Brasilien und Nigeria zu behaupten und auch der Welt beim Überleben zu helfen. Die europäischen Institutionen verfügen noch nicht dafür über die notwendige Stärke. Sie sind nicht reaktiv genug. Die Völker Europas fordern mehr Klarheit und Transparenz. Paneuropa Frankreich will seinen bescheidenen Beitrag leisten zur Dynamisierung eine Europas, das bei den letzten Europawahlen mit dem langen Rückgang der Wahlbeteiligung Schluss gemacht hat. Im Mai 2019 lautete zum ersten Mal die Frage: "Europa oder kein Europa? ». Die Antwort lautete: "Europa und der Euro werden bleiben". Europa ist ein Zukunftsprojekt, das einzige, das wir jungen Menschen geben können.

Die heutige Welt gibt uns nicht nur Grund zur Freude, dennoch sind wir weder Spenglerianer noch Kollapsisten. Wir glauben an die Zukunft und nicht wie die unerbittlichsten Umweltschützer, nicht wie christliche Sekten und radikalisierte Muslime an den Weltuntergang. In den drei Millionen Jahren, in denen der Mensch zum Menschen wurde, hat er viele Gesundheits- und Klimakatastrophen und Prüfungen überlebt. Es gibt keinen historischen oder religiösen Determinismus. Nichts steht geschrieben. Der kluge und informierte Bürger kann den Lauf der Geschichte ändern und die Welt verändern. 

Im 21. Jahrhundert ist unsere Gesellschaft ist verletzbarer geworden. Ein bewaffneter politischer Islam versucht, in Westeuropa die jüdisch-christlichen Werte und den von der Aufklärung geerbten humanistischen Rationalismus zu verdrängen, sowie die Macht in muslimischen Staaten und südlich der Sahara zu übernehmen. Vor 1989 forderte gleichermassen der stalinistische und poststalinistische Kommunismus die europäische Demokratie heraus. Mit Hilfe der Vereinigten Staaten von Amerika und vor allem infolge des Aufstands der osteuropäischen Völker hat Europa über diese Plage gesiegt. Dasselbe wird der Fall sein, wenn der politische Islamismus in muslimischen Ländern unter dem Druck der Jugendrevolten zusammenbricht.

Im verschuldeten Europa vor dem Hintergrund der sozialen Rebellion, insbesondere in Frankreich, sind die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008-2010 noch immer spürbar. Elisa Mayböck (deutsche Red.) - Jean-Paul Picaper (franz. Red.)

Zu den Aktivitäten von Paneuropa Frankreich im Jahr 2019

  • Neben anderen Events  insb. im Rahmen des Europa-Wahlkampfes vom Mai 2019 lud Paneuropa Frankreich zu einem Seminar über Nahrungshygiene im Europäischen Parlament am 21. Juni 2919 ein, und zu einem Referat des Dr. Frédéric Marin, Astrophysiker an der Straßburger Universitäts-Sternwarte, in der Villa Schützenberger von der Parlamentarischen Gesellschaft Straßburg zur Problematik der ersten interstellarer Reise. Die Veranstaltung von Frédéric Marin am 17. September 2019 leitete die Europa-Abgeordnete von Straßburg, Frau Anne Sander, ein.
  • Als wir am 28. September 2017 ein Interview mit der damaligen saarländischen Ministerpräsidentin Frau Annegret Kramp-Karrenbauer durchführten, wurde vereinbart, unser internationales Seminar im Jahr 2018 in Saarbrücken statt wie bisher in Straßburg zu veranstalten. Es wäre nicht unser erster Schritt auf deutschem Boden gewesen. So haben wir am 8. 12. 2017 einen Teil unseres jährlichen internationalen Seminars in Deutschland beim Burda-Verlag in Offenburg (BW) durchgeführt. Das war ein erster Schritt zur Unterstreichung der Tatsache, dass das deutsch-französische Verhältnis im Mittelpunkt unseres Interesses steht. Die Übersiedlung der Ministerpräsidentin nach Berlin machte das Saarbrücken- Vorhaben zunichte. 2018 fand unser Internationales Seminar daher noch einmal in Straßburg statt und befasste sich mit wissenschaftlichen und technologischen Projekten Europas, da wir der Meinung sind, dass Europa nicht nur das ist, was es institutionell darstellt, sondern auch das, was es tatsächlich tut.
  • Nach dem Verzicht auf Saarbrücken kam Dr. habil. JP Picaper auf den Gedanken, unser internationales Seminar 2019 in seiner Wahlheimat Berlin einzuberufen. Es empfahl sich als Partnerin die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) deren Effizienz, Aufgeschlossenheit und Modernität bekannt sind. Ein Freund unseres Vereins, Matthias Graf Kielmansegg, Leiter der Abteilung 1 Strategie und Grundsatzfragen, Digitaler Wandel, im Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin, empfahl uns ebenfalls, diesen Weg zu gehen. Wir wählten den Titel  "Diktatur – Demokratie – Demokratur“ zum Thema : „Das gegenwärtige Erbe des Dritten Reiches und der Sowjet-Ära“
  • Wir bezogen mit Graf Kielmansegg in dieses – diesmal durch und durch politische Seminarprogramm Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf, ehemaligen Berater vom Bundeskanzler Helmut Kohl und Experten für Fragen der Demokratie, Prof. Dr. Eckhard Jesse, der als Bester Kenner der extremistischen Parteien in Deutschland gilt, und den prominenten ehemaligen Dissidenten Roland Jahn, Präsidenten des Stasi-Archivs (BStU), der sofort damit einverstanden war, jungen Menschen seine Erfahrungen mit der zweiten deutschen Diktatur zu vermitteln. Hinzu kam Dr. Leonie Arzberger, Referentin der KAS für West- und Südeuropa (EU), die sich als hervorragende Moderatorin profiliert hat. Zur Organisation des Seminars trug die Mitarbeiterin des KAS Felicitas Kompa entscheidend bei und unser Vorstandsmitglied Sophie von Lossau leistete auch ihre Hilfe. 
  • Im Laufe des Jahres 2020 wird Paneuropa Frankreich ihr internationales Herbstseminar in einer europäischen Hauptstadt veranstalten, die nicht Paris, nicht Berlin, nicht Strassburg sein wird. (ATS, Dez. 2019)

Layout Monique Picaper